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Gamers Health: Nützliche Tipps zu eSports und Gesundheit

Gesunde Gamer gibt’s nicht. Diesen Eindruck vermitteln uns Massenmedien in regelmäßigen Abständen mit diversen Schreckensmeldungen. Jüngstes Beispiel sind die Berichte über das ausufernde Sucht-Phänomen innerhalb der GamerInnen-Szene. Das österreichische Startup „Gamers Health“ geht differenzierter an die Sache heran, verzichtet also sowohl auf Schwarzmalerei als auch auf Romantisierung. Der Tenor der Nachwuchs-Experten: Ja, es gibt ernsthafte gesundheitliche Gefahren! Aber: Es ist bei Weitem nicht jeder Gamer von dem vermeintlich epidemischen Risiko betroffen.

Stefan Doubek und Maximilian Anibas sind seit Jahren leidenschaftliche Gamer. Beide machen kein Geheimnis daraus, dass sie oft stundenlang League of Legends zocken. Dennoch entsprechen sie in keiner Weise jenen verheerenden Gamer-Stereotypen, welche Medien nur allzu gerne verbreiten. Stefan und Maximilian sind sportlich, schlank, äußerst smart und gehen einer geordneten Tätigkeit nach. Noch mehr sogar: Max steht vor dem Abschluss seines Medizinstudiums und studiert außerdem gemeinsam mit Stefan „Public Health“ an der Medizinischen Universität Wien. Zwei topfitte eSportler also, die ihr medizinisches Wissen jetzt mit der gesamten Community teilen wollen.

Geamers Health Stefan Doubek und Maximilian Anibas

Maximilian Anibas und Stefan Doubek sind Experten in Sachen eSports und Gesundheit

Gamers Health als neue Plattform zu eSports und Gesundheit

Die Idee zu „Gamers Health“ kam im Rahmen eines gemeinsamen Studienprojektes, erklärt Stefan im Interview mit eSports.at: „Das Ziel ist, die Gesundheitskompetenz der GamerInnen zu verbessern.“ Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Gesundheits-Plattform ein eingetragener Verein mit einer klaren Vision. Über eine Webseite, die noch im Entstehen ist, sollen Gamer künftig wissenschaftlich fundierte Artikel über eSports und Gesundheit abrufen können. Und das einerseits als Light-Variante ohne komplizierten Tiefgang und andererseits in einer klassisch wissenschaftlichen Form für alle, die sich tiefgreifender informieren wollen.

Weg von der Sucht-Zentriertheit!

Thematisch will Gamers Health eine sinnvolle Alternative zum oft einseitigen gesellschaftlichen und medialen Diskurs anbieten. Maximilian bringt den aktuellen Bias auf den Punkt: „Wenn man Gesundheit und Computerspiele googlet, findet man nur Artikel über Sucht und Gewalt, aber nicht über physische Schäden.“ Und genau da will er ansetzen: „Es ist alles nur auf die Sucht oder auf das Gewaltthema konzentriert. Wir wollen das Ganze gesamtheitlich betrachten, damit die Leute auf den eigenen Körper besser schauen können.“ Als Vehikel sollen spannende Studien und die neuesten Erkenntnisse aus der Welt der Medizin dienen.

Maximilian Anibas Gamers Health

Maximilian will weg vom üblichen Bias: „Derzeit geht es immer nur um Sucht und Gewalt!“

Tipps vom Physiotherapie-Profi

Stichwort „physische Schäden“. Eines der Hauptprobleme schafft laut Stefan Doubek das oft stundenlange Sitzen. Die Fachwelt spricht bereits davon, dass Sitzen das neue Rauchen ist – mit Auswirkungen auf den ganzen Körper. Davon kann der Wiener ein Lied singen, denn als selbständiger Physiotherapeut ist er tagtäglich mit schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates konfrontiert: „Ziel muss es sein, die Sitzzeiten über den Tag zu reduzieren!“, sagt Stefan. Eine mögliche Lösung: Spielen im Stehen. „Ich fände das sehr interessant, im Stehen zu spielen“, regt er an, „ich fände das ein Riesen Ding, wenn die LOL Weltmeisterschaft auch im Stehen gespielt wird! Früher konnte sich niemand vorstellen Computerarbeitsplätze stehend zu bedienen, heute ist das in vielen Firmen gelebter Standard.“

Gaming Disorder als ernstes Thema!

Weltweite Negativschlagzeilen machte in den letzten Tagen und Wochen die Computerspielsucht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahm die „Gaming Disorder“ in den Krankheitskatalog (den sogenannten ICD-11) auf – und das sollte uns sehr wohl alarmieren, meint auch Max von Gamers Health: „Wenn was in den ICD kommt, dann ist das eine große Sache! Es kann nichts Größeres passieren, als wenn eine Diagnose für das Gaming aufgenommen wird. Es ist definitiv ein großes Problem. Man kann sagen, dass wahrscheinlich ein Prozent aller Gamer eine Gaming Disorder haben.“

Stefan Doubek Gamers Health

Stefan Doubek setzt sich für „redzuierte Sitzzeiten!“ ein

Laut WHO drei Anzeichen für Computerspiel-Sucht

Ob jemand wirklich süchtig nach Computerspielen ist, erkennt man laut der WHO an drei Indikatoren, die Maximilian zusammenfasst: „Über einen Zeitraum von zwölf Monaten müssen diese Anzeichen erfüllt sein. Man hat keine Kontrolle über Dauer und Intensität des Spielens. Das zweite Kriterium ist, dass andere Hobbies und Tätigkeiten in den Hintergrund rücken. Und das Dritte ist, dass man weiterspielt, obwohl andere Sachen auf der Strecke bleiben – zum Beispiel Schule, soziale Kontakte und so weiter.“

Geht es nach Max und Gamers Health, dann greift diese Klassifizierung aber zu kurz: „Es gehören mehr Kriterien dazu zur Gaming Disorder. Unter der Führung des Briten Mark Griffiths hat ein Forschungsteam neun Punkte festgelegt und wenn fünf davon vorliegen, dann kann man eine Gaming Disorder klassifizieren. Warum die WHO kein komplexeres System wie dieses nimmt, ist mir nicht ganz klar!“, meint Maximilian Anibas. Übrigens: Die Ansätze von Mark Griffiths könnt ihr gerne detaillierter nachlesen!

Das Fazit also: Die Berichterstattung und die WHO-Klassifizierung sind laut Gamers Health zu einseitig und schwammig. Aber die Welt wurde aufmerksam auf ein heikles Thema. Insofern also wieder ein positiver Aspekt!

„Bin ich computerspielsüchtig?“

Gerade im eSport stellt sich die Frage nach dem eigenen Suchtpotenzial häufiger als im Bereich des Casual Gaming. Geht es nach Maximilian Anibas, dann bedeutet langes Zocken aber nicht sofort, dass ein Suchtverhalten vorhanden ist: „Acht Stunden PC Spielen muss nicht bedeuten, dass man ein Problem hat!“ Heikel wird es aber dann, wenn sich GamerInnen in ihrem „bio-psycho-sozialen System“ beeinträchtigt fühlen – wenn also die Balance zwischen Körper, Seele und sozialem Umfeld nicht mehr passt.

Eines ist laut Max und Stefan evident: „Gamer leiden häufiger an depressiven Störungen als der Durchschnitt.“ Daher pocht Stefan vor allem auf den richtigen Sinn für Balance: „Es geht um einen ausgeglichenen Lebensstil. Es geht darum, eine Balance zu finden, dass die Teilbereiche Ernährung, Bewegung und Psyche in einem sinnvollen Zusammenhang stehen!“ Und noch eine core message ist dem Physiotherapeuten wichtig: „Wir wollen keinesfalls das Computerspielen vermeiden, weil wir selbst ja auch Zocker sind. Wir wollen aber präventiv Folgen verhindern, zum Beispiel zu langes Sitzen.“

10 Gesundheitstipps für Gamer und Gamerinnen

Vorsorge ist also wie so oft im Leben die halbe Miete – auch wenn es um eSports und Gesundheit geht! Einiges leuchtet ohne große Erklärung ein. Etwa, dass man hin und wieder Stoßlüftungen durchführt, um den Zocker-Mief aus dem Zimmer raus zu bekommen. Auf andere essentielle Punkte vergessen wir aber häufig. Daher zum Abschluss noch zehn leicht umsetzbare Gesundheitstipps von Gamers Health für die eSports Community:

  • Ausreichend schlafen und nicht unmittelbar nach dem Computerspielen schlafen gehen
  • Seine Mechanismen kennen lernen, wie man mit dem Tilt umgeht (Frustrationstoleranz trainieren, Bewältigungsrituale erlernen)
  • Wer Sport macht, hat weniger Depressions-Risiko
  • Auf ausgewogene Ernährung achten (Wasser statt Soft- und Energydrinks)
  • Auf den Körper hören und Schmerzen nicht ignorieren
  • Gutes Equipment verwenden (Zitat von Stefan: „Ein guter Sessel mit Armlehnen ist Pflicht! Sonst hängt die gesamte Belastung am Schultergürtel.“)
  • Pausen machen und idealerweise mit Ganzkörperübungen ergänzen
  • In der Nacht einen Bildschirmhelligkeitsdämpfer benutzen (mehr Infos dazu!)
  • Nicht direkt vor dem Schlafengehen Computerspielen
  • Bei anhaltenden Beschwerden professionelle Hilfe bei Ärzten suchen

In diesem Sinne: Schaut auf euch! Denn nichts ist unnötiger als ein vorzeitiges „Game Over“.