Österreichs Fenster in die eSports Welt

Karriere in eSports: Wie geht das? Teil 3 – Content Creator

Fatih Öztürk ist ein echter eSports Content Alleskönner. Unter seinen Kunden finden sich Namen wie Red Bull, Braun oder Ubisoft, für die er von Eventberichten bis Edutainment in allen Kommunikationsformen seit Jahren erfolgreich produziert. Heute ist er aus der heimischen Szene nicht mehr wegzudenken und hat mittlerweile sogar sein eigenes Unternehmen, Spiel & Drang. Fatih hat uns im Interview erzählt, wie gut das Potenzial in der Content Creation wirklich ist.

Wie ist es zu dem Job als Content Creator gekommen?

Ich bin eigentlich ausgebildeter Mediendesigner. Seit ich zurückdenken kann war ich interessiert an Grafik und Werbung, deswegen habe ich mich in dem Bereich weitergebildet. Ich war dann bei mehreren Firmen als Grafiker beschäftigt. Über ein paar Stationen bin ich dann bei der Verlagsgruppe News gelandet, habe dann aber gemerkt, das taugt mir überhaupt nicht. Dann habe ich etwas Verrücktes gemacht: Ich habe einfach alles hingeschmissen. Trotz eines festen Jobs in einem großen Unternehmen hatte ich einfach keine Lust mehr. Da habe ich dann überlegt, was taugt mir eigentlich? Mein ganzes Leben habe ich Videospiele gespielt. Deswegen habe ich versucht, mir einen Weg in die Games-Branche zu bahnen. Es gab dann ein ausgeschriebenes Praktikum bei Microsoft, das habe ich mir ins Auge gefasst und die haben mich tatsächlich genommen.

Würdest du den Einstieg in die Branche heute anders angehen?

Man sagt ja immer, No Risk No Fun, ist ein depperter Spruch aber es stimmt. Ich bin froh darüber, dass ich mich früh für etwas entschieden habe, das MIR Spaß macht. Grafiker ist auch ein leiwander Job, aber ich wollte das nicht mein Leben lang machen. Ich wollte nicht die ganze Zeit anderen Leuten zuarbeiten und Dinge umsetzen, die andere Leute sagen. Ich wollte mich einfach in einem Bereich entfalten, wo meine Interessen liegen und ich meine Stärken habe. Man muss einfach mutig sein und darf sich nie kleinreden. Die Leute schauen nicht darauf, wie alt man ist, sondern wo die Kompetenzen liegen. Wenn du etwas kannst, dann wirst du auch respektiert.

Fatih probiert sich mittlerweile auch auf TikTok.

Würdest du Interessierten den Einstieg in die Branche aktuell empfehlen?

eSports ist mittlerweile ein extrem breites Feld. Vor zwanzig Jahren gab es nur die Spieler, die Teams und die Turnierorganisatoren. eSports ist heute Kameramänner und -frauen. Moderatoren. Kabeltrommelträger. Journalisten. Auch wenn du dich für Recht interessierst wirst du einen Platz im eSports finden.

Es war schon ernüchternd zu sehen, über welche Themen international diskutiert wird, versus dem, was in Österreich behandelt wird.

Das heißt, die Aussicht auf eine Vollzeitbeschäftigung ist gut?

Du wirst einen Vollzeitjob bekommen, fragt sich nur wo. Die Top 30-40 Teams auf der Welt, die brauchen alle z.B. rechtliche Beratung. Da fließen viele Gelder, es gibt Verträge nicht nur mit Spielern, sondern auch mit Ligen, Organisationen & Sponsoren. Die Frage ist nur: Gibt es diese Teams in Österreich? Und die Antwort darauf ist: Leider nein. Ich hatte unlängst ein Gespräch mit einem Rechtsexperten aus Österreich, der vor kurzem bei einer internationalen Veranstaltung war. Er hat gemeint, es war schon ernüchternd für ihn zu sehen, über welche Themen international diskutiert wird, versus dem, was in Österreich behandelt wird. Wir sind nicht Nordamerika, und das muss uns bewusst sein. Wenn du aber bereit bist, ins Ausland zu gehen, wirst du in jedem Bereich etwas finden. Man muss gar nicht so weit denken. Zum Beispiel in Deutschland oder UK gibt es einige „Hidden Champions“, die extrem schnell wachsen und viele Arbeitsplätze bieten.

Wenn man eine Nische findet, aus der man auch internationale Kunden beackern kann, dann kann man sich auch in Österreich selbstständig machen.

Hast du vielleicht ein österreichisches Erfolgsbeispiel?

Die Leute von own3d.tv machen einen hervorragenden Job. Was sie machen, ist nicht im engsten Sinne eSports, aber Streaming gehört schon zu der Branche dazu. Sie designen und verkaufen Stream Overlays, sind dabei erfolgreich, und das aus Österreich heraus. Wenn man also eine Nische findet, aus der man auch internationale Kunden beackern kann, dann kann man sich auch in Österreich selbstständig machen.

Mit welcher Art Content fährt man denn aktuell am besten: Unterhaltung, Information oder ein Mittelding?

Es ist keine reine Unterhaltungsdomäne. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im eSport der reine News-Content nicht funktioniert. Wenn man über Events berichtet, oder nur Zahlen abfeuert, ist das nicht so spannend für Gamer. Google kann das schneller und besser, vergänglich ist der Content auch. Ich arbeite sehr SEO getrieben, aber ich konzentriere mich auf Inhalte, die langfristig interessant sind, sogenannter „Evergreen Content“. Darum machen wir z.B. keine Eventberichte, sondern so Sachen wie Patchnotes. Warum dieser Patch stark oder nicht gut ist. Wer die 10 besten League of Legends Spieler des Splits sind. Das sehe ich nicht „unseriös“, es ist eine Mischung aus Entertainment und Education, unter dem neuen, modernen Wort „Edutainment“. Gaming und eSports ist ja auch genau das.

Die offizielle Kleidung des eSports ist nicht Anzug und Krawatte, sondern Jogger und T-Shirts.

Du findest also, eSports hat diese „Seriösität“ nicht notwendig?

 So schön und wichtig das auch ist, dass eSports von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird, Krawattenträger finde ich in der Szene unpassend. Schau dir die Resonanz zur Gründung der European Esports Federation an. Ganze Teams und Caster, Leute von Fnatic zum Beispiel, die haben das zerfetzt! Die offizielle Kleidung des eSports ist nicht Anzug und Krawatte, sondern Jogger und T-Shirts. Diese aufgesetzte Seriösität haben wir nicht notwendig. Im Gaming geht es primär um Spaß, und das sollten die Inhalte auch reflektieren. Berichte haben auch ihren Platz, ESPN mit Jacob Wolf zum Beispiel macht das sehr gut. Kotaku bringt auch ab und zu Berichte zur aktuellen Lage der Szene.

Der wichtigste Tipp: Starte einen Blog.

Abschließend: Welchen Tipp würdest du angehenden eSports Content Creatoren geben?

Der wichtigste Tipp: Starte einen Blog. Ich habe zum Beispiel einfach während der Arbeit begonnen zu Bloggen. So habe ich nach und nach Industriekontakte aufgebaut. Gerade in der Journalismus Branche ist auch immer die erste Frage: Hast du schon geschrieben? Dann kannst du schon Beispieltexte durchschicken und hast schon Übung. Außerdem, auf so vielen Kanälen wie möglich unterschiedlichen Content machen. Auf Twitter viel interagieren. Auftragscontent produzieren. Ich bin auch auf LinkedIn aktiv und teile dort Produktionen und Videos. Ein Kollege von mir macht FIFA eSports Management, der hat vor kurzem begonnen auf TikTok Tipps zu geben, und das funktioniert! Der hat zum Teil hunderttausende Views auf seinen Videos, und das mit deutschsprachigem eSports Content. Man darf seinen Content nicht einengen lassen. Wenn du noch keine Auftraggeber hast, dann fang einfach für dich an. Ist es richtig alles hinzuschmeißen für den Traum? Jein. Wenn du ausreichend Rücklagen hast, dann sicher, go for it. Wenn du nicht die Mittel hast, kannst du es auch nebenbei machen.

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