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Karriere in eSports: Wie geht das? Teil 7 – Kommentator

Manuel Wendel ist in der Simracing Szene ein etablierter Kommentator und auch bei Rocket League sieht man ihn immer öfter. In unserem Interview erzählt uns der passionierte Rennsport Fan über die Strecke die er zurücklegen musste und wie er beide für sich Welten vereint hat.

Du bist als Kommentator ein Fixpunkt in der DACH Simracing Szene und seit Kurzem auch bei Rocket League gut unterwegs. Was war dein Weg, bis du Kommentator im virtuellen Motorsport wurdest?

Bevor ich den Weg als Kommentator eingeschlagen habe, habe ich mich hauptsächlich auf das Spielen bzw. Fahren konzentriert. Auf LAN-Partys bin ich das erste Mal mit CS 1.5 und dann CS 1.6 in Kontakt gekommen. Mit Freunden habe ich online auch ziemlich intensiv gespielt und kleinere Spaßturnier bestritten.

Irgendwann wurde das Thema „Musik und meine Band“ für mich so wichtig, dass ich das „organisierte“ Spielen hinten angestellt habe. Über diese Zeit habe ich meine Leidenschaft aber nie aus den Augen verloren: Rennsport!

Speziell die Formel 1 war mir immer sehr wichtig. Schon in jungen Jahren haben mir meine Eltern sonntags das Essen so eingerichtet, dass ich die Möglichkeit hatte, die Rennen zu sehen.

Auch während meiner aktiven Zeit mit CS und auch schon davor gehörten Racing Games immer dazu. Need for Speed Porsche ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Aber auch die anderen „Need for Speed“ Titel. Irgendwann habe ich mir ein Lenkrad gekauft und bin dann über diverse Spiele bei iRacing gelandet und damit zum kommentieren gekommen.

Wie bereitest du dich für große Events und Zuschaueranzahl vor? Bist du überhaupt noch nervös?

Die Zuschauerzahlen sind am Ende nicht das, was nervös macht, egal ob Online oder direkt am Event.

Es ist vielmehr das Event an sich, die Stimmung aller an dem Tag und das gesamte Umfeld. Ich kann mich sehr gut erinnern, als ich vor ein paar Monaten in der Nitro League (DACH Rocket League) neben dem kommentieren die gesamte Regie übernehmen sollte. Da war ich so nervös wie schon seit Langem nicht.

Nervös bin ich bei besonderen Übertragungen aber heute noch. Man lernt nur, anders damit umzugehen und entwickelt Methoden, um sich etwas zu erden.

Was war auf deinen Live-Events bisher deine größte Herausforderung?

Das hat sich eigentlich immer weiterentwickelt. Am Anfang war es für mich sehr ungewohnt Regieanweisungen aufs Ohr zu bekommen, während man kommentiert. Wenn man aber öfters mit guter Regie zusammenarbeitet, ist es dann kein Problem mehr da man genau weiß, wann gewisse Anweisungen zu bringen sind.

Eine sehr große Herausforderung war, die mir aber sehr viel gebracht hat, als wir auf der IAA mit unserem Unternehmen getquu GmbH für den Automobilclub von Deutschland die AvD Masters mit einem Preispool von EUR 10.000,- organisiert haben. Ich war an diesem Tag der Hauptverantwortliche für das Event, musste kurzerhand Entscheidungen treffen und war zur gleichen Zeit als Kommentator im Einsatz.

Ein echter Gewinn war die Zusammenarbeit, mit der aus Österreich stammenden Produktionsfirma mit der ich in der Vergangenheit schon öfters sehr erfolgreich gearbeitet habe. Wir konnten dadurch als Team optimal agieren.

Hast du für uns ein Schmankerl oder eine Story, die du in deinen Jahren als Kommentator niemals vergessen wirst?

Da gibt es einige. Jedes Event ist für mich ein Schmankerl, egal welches ich in den letzten Jahren in Deutschland, Österreich oder der Schweiz begleiten durfte. Sicher waren auch das Kommentieren der VLN, jetzt NLS, an der Nürburgring Nordschleife genau wie die Übertragungen Live im TV jedes für sich ein Highlight.

Ich habe natürlich auch einige Storys, aber die gehören nicht hier an diese Stelle. (lacht)

Als jemand, der durch seine Tätigkeit stark mit der Szene verbunden ist. Was würdest du dir für die Szene wünschen, wohin soll es gehen?

Gemeinsam mit meiner Firma haben wir uns auf die Fahne geschrieben von der Szene für die Szene zu arbeiten. Genau das wünsche ich mir im Allgemeinen. Zusammenhalt und die Szene von „innen heraus“ wachsen zu sehen. Wir haben alle dieselbe Leidenschaft, die uns verbindet und Simracing hat im Kern eine wirklich tolle Community, die es Wert ist.

Abschließend. Was würdest du empfehlen, wenn jemand Kommentator im eSport werden möchte? Sind dafür spezielle Ausbildungen notwendig oder “Good to Have“?

Wichtig ist sicherlich, dass man so kommentiert, wie man es sich von anderen wünscht. Ebenfalls sollte man sich seine Übertragungen immer wieder ansehen und dann analysieren. Auch negative Kritik sollte man bewusst lesen, Hate sondieren und auf seinem Weg bleiben.

Jeder der Erfolg hat, egal wie er diesen für sich definiert, musste dafür etwas leisten. Ohne harte Arbeit und auch mal auf gewisse Dinge zu verzichten, wird sich er Erfolg nicht zeigen.

Da ich selbst an meinen Aufgaben gewachsen bin und aus dem Gedanken „ach komm ich mach einfach mal“ angefangen habe, ist aus meiner Sicht das wichtigste der Spaß am Kommentieren, den du mitbringen solltest.

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