Österreichs Fenster in die eSports Welt

Karriere in eSports: Wie geht das? Teil 2 – Spieler

Wir schreiben das Jahr 2020 – Man kann endlich mit Zocken Geld verdienen. Tobias „Dreamer Ace“ Schreckeneder lebt diesen Traum, denn er ist einer der wenigen Full-Time eSports-Profis aus Österreich. Seit 2018 ist er beim deutschen Team Unicorns of Love unter Vertrag und spielt League of Legends in der höchsten europäischen Spielklasse. Dreamer Ace hat uns im Interview erklärt, wie man den Sprung vom Casual zum Pro schafft.

Wie gut warst du, als du erstmals daran dachtest, ein Profi zu werden?

Dreamer Ace: Als ich mit competitive League of Legends angefangen habe, das war Season 4 oder Season 5, da war ich Master, Grandmaster hat es da noch garnicht gegeben. Darüber war nurnoch Challenger. Der Sprung von Diamond auf Master war eigentlich voll umsonst, ob du jetzt Diamond 1 oder Master bist ist komplett egal. In Master habe ich mir gedacht, boah ich bin jetzt voll gut. (lacht) Da habe ich dann gedacht, ich könnte ja mal für ein Team spielen.

Wie hast du dann ein professionelles Team gefunden?

Das war eigentlich recht einfach. Mich haben ein paar Leute angeschrieben, dass es eine österreichische Liga gibt. Zuerst habe ich aber auf einer Comic Con in Wels gespielt. Da habe ich ein Team mit ein paar Freunden gegründet und sind bei dem Turnier angetreten. Dann haben wir auch in der A1 Liga mitgespielt, woraufhin mich kleinere deutsche Teams angeschrieben haben ob ich nicht auch dort spielen will. Ich dachte mir dann, ja sicher, probier‘ ich dieses competitive Spielen mal aus. Immer mehr Teams haben dan Interesse an mir gehabt. 

Wenn du von Anfang an die Spieler nur beleidigst, wird niemand mit dir arbeiten wollen.

Das heißt, deine Karriere in Deutschland hat sich fast von selbst ergeben.

Man muss einfach ein hohes ELO haben, dann spielst du automatisch mit den Profis der europäischen Ligen zusammen. Die merken dann, „He, das ist der Dreamer Ace, mit dem spiel ich ab und zu in der Solo Queue. Der kann den und den Champ sehr gut, der ist mir aufgefallen.“ Es ist dabei auch wichtig, dass man sich online von seiner besten Seite zeigt. Wenn du von Anfang an die Spieler nur beleidigst, wird niemand mit dir arbeiten wollen.

Dreamer Ace mit seinem Team „Unicorns of Love“

Angenommen, ein Spieler befindet sich auf Platin Level. Ist es zu diesem Zeitpunkt schon sinnvoll, an eine Profikarriere zu denken?

Sinnvoll ist das eigentlich immer, ich habe mir ja auch schon bevor ich Master war gedacht, ich würde gerne Pro werden. Ich habe damals gleichzeitig mit meinem Bruder Ranked gespielt. Wie ich gemerkt habe, dass ich viel schneller aufsteige als er, konnte ich mir das schon vorstellen. Wenn du dieses Ziel von Anfang an vor Augen hast, dann versuchst du auch schon früh dich stetig zu verbessern. Du kannst außerdem auch auf Platin schon Teams suchen und in Spaß-Turnieren mitspielen, schauen wie das so ist.

Wenn du streamst, spielst du automatisch schlechter.

Was hälst du von Streaming, im Gegensatz zu Competition?

Ich und jeder andere Profi wissen, wenn du streamst, spielst du automatisch schlechter. Du versuchst, Leute zu unterhalten, konzentrierst dich auf den Chat und auf die Zuschauer, nicht aufs Spiel. Wenn ich trainieren will und dabei streame, dann ist der Chat sauer, weil ich nicht mit ihnen rede und so auf das Spiel fokussiert bin. Wenn ich das Gegenteil mache, schaue auf den Chat und versuch witzig zu sein und „Scheiße“ zu reden, dann lerne ich nichts dabei. Als Profi muss ich einfach regelmäßig konzentriert trainieren, ich mache aber trotzdem ab und zu in meiner Freizeit auch Spaß-Streams.

Warum schaffen es denn die meisten nicht, Profi zu werden?

Für mich ist der Grund, warum so viele Leute in Platin stuck sind, dass sie nicht wissen, „Wie gewinne ich eigentlich das Spiel“. League ist einfach ein Strategiespiel. Viele spielen dann 20-30 Champions, wissen aber nicht wie sie mit den einzelnen Champs überhaupt gewinnen sollen. Wenn du nur 2-3 Champions hast, kommst du viel schneller hoch. Ich habe das damals genau so gemacht. Es ist einfach jeder Champ komplett anders. Das klingt vielleicht zuerst ein bisschen langweilig, aber wenn du mal hochgekommen bist, kannst du immer noch alles lernen.

Bei mir im Ort im Salzkammergut mit 7000 Einwohnern, da wissen 5-10 Leute was League of Legends ist, oder dass eSports existiert.

Bietet das Land Österreich für dich gute Rahmenbedingungen, ein Profi zu werden?

Dadurch, dass ich in einem sehr sehr kleinen Ort wohne, außerhalb von ALLEM (lacht), bin ich eher zurückgehalten worden. Ich habe die längste Zeit von dem ganzen eSports-Ding nichts mitbekommen. Ich habe nie irgendwas gesehen, gelesen, gehört, nichts im Fernsehen gesehen, überhaupt nichts, bis ich selbst danach gesucht habe. Bei mir im Ort im Salzkammergut mit 7000 Einwohnern, da wissen 5-10 Leute was League of Legends ist oder dass eSports existiert. In Wien ist das um einiges besser, da gibt’s immerhin schon eSports-Bars. Wenn ich das den Leuten im Ort erzähl, fragen die mich ob ich spinn. Man kann ihnen aber keinen Vorwurf machen, es dringt einfach keine Information bis zu ihnen durch. Die meisten Leute wissen aber, mich hat das ganze sogar zu einem besseren Menschen gemacht. Wenn ich mich auch daran erinnere, wie ich über meine vorige Arbeit geredet habe, „Jo da muas i hoit hin, is hoit mei oabeit“, das ist einfach ein Riesenunterschied zu der Leidenschaft, die ich aktuell spüre.

Man hat nie die Garantie, es wirklich im eSports zu schaffen. Deswegen sollte man einen Backup-Plan haben.

Wenn du angehenden eSportlern einen Tipp geben müsstest, welcher wäre das?

Das wichtigste ist, dass man sich immer von seiner besten Seite zeigt. Man muss ausstrahlen, „He, ich bemüh mich, ich möchte das wirklich“ und eine positive, aber ehrgeizige Person sein. Ich würde niemandem raten, sofort alles hinzuschmeißen und versuchen Profi zu werden, das habe ich auch nicht gemacht. Es ist einfach ein sehr unsicheres Feld aktuell. Als ich meinen Job aufgegeben habe wusste ich, es kann sein, dass ich diesen Job nie wiederkriege. Man hat nie die Garantie, es wirklich im eSports zu schaffen. Deswegen sollte man einen Backup-Plan haben. Trotzdem, man muss stark dahinter sein, extrem viel spielen und versuchen das Spiel zu verstehen. Es hilft auch, guten Spielern zuzuschauen und so sein Wissen zu bekommen.

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