Österreichs Fenster in die eSports Welt

Karriere in eSports: Wie geht das? Teil 10 – Rechtsanwalt

eSports und Recht? Für Spieler, Organisationen, Veranstalter oder auch länderübergreifend ist rechtliche Gewissheit und Regulierung unerlässlich. Wir nehmen gerne an, dass Recht im eSport eine „trockene Geschichte“ ist. So ist es aber nicht! Denn es ist spannender und facettenreicher, als man auf den ersten Blick vermutet. Im Interview mit Urim Bajrami von Stadler Völkel Rechtsanwälte, eine der ersten Kanzleien, die sich dem Thema eSport in Österreich angenommen hat, erzählt er uns von seinem Start in die Welt des eSports und wie der Alltag als Rechtsanwalt in der Szene aussieht.

Wie bist du, als Jurist, in die eSports-Szene gekommen?

Das hat sich einfach so ergeben, weil ich schon seit Jugendjahren gerne spiele und früher auch an eSports-Wettbewerben teilgenommen habe. Ich habe damals im Jahr 2014, viel Hearthstone gespielt und war im Team die Anlaufperson, wenn es um rechtliche Themen ging. Besonders ist mir zu dieser Zeit aufgefallen, dass viele der Spielerverträge von Teams nicht wirklich aus „juristischer“ Hand stammen, sondern vielmehr von Teamownern im Selbstgang mittels diverser Muster aus dem Internet erstellt wurden. Da habe ich natürlich gerne meinen rechtlichen Input geliefert.

Insbesondere erinnere mich während dieser Zeit an den Fall des bekannten Hearthstonespielers Thijs „Thijs“ Molendijk, den ich rechtlich dabei unterstützt habe, aus seiner ehemaligen Organisation auszutreten. Damals wusste ich schon, das macht mir Spaß und ich kann hier echten Mehrwert bieten. Vor allem Spieler sind rechtlich unterrepräsentiert und haben in ihren jungen Jahren auch noch keine Erfahrungen mit rechtlichen Angelegenheiten.

Im Rahmen meiner Rechtsanwaltsausbildung habe ich daher einen besonderen Fokus auf die rechtlichen Aspekte gelegt und bin der eSports-Szene stets verbunden geblieben. Vor über zwei Jahren habe ich dann bei Stadler Völkel Rechtsanwälte die Gelegenheit bekommen, eine eSports- & Gaming-Abteilung aufzubauen und darf diesen Bereich seitdem auch führend leiten. Dies ist wohlgemerkt keine Selbstverständlichkeit, da die meisten Kanzleien mit eSports sowie anderen neuen innovativen Themen nichts anfangen können. Arthur und Oliver (die beiden Gründungspartner der Kanzlei), gefielen jedoch meine Ideen sehr gut.

Wie kann man sich die Tätigkeit als Jurist im eSports-Bereich vorstellen?

Es handelt sich um eine sehr abwechslungsreiche und herausfordernde Arbeit. eSports ist in rechtlicher Hinsicht eine sogenannte Querschnittsmaterie, das bedeutet, dass sich rechtliche Fragen in den unterschiedlichsten Rechtsgebieten stellen (Vereinsrecht, Steuerrecht, Veranstaltungsrecht, Arbeits- und Sozialrecht usw.). Es ist zudem ein Bereich, der in Österreich aus juristischer Sicht immer populärer wird. Dadurch sind viele Dinge noch nicht geklärt und die Kommunikation mit den österreichischen Behörden, die damit oft wenig anfangen können, ist nicht immer leicht. Umso mehr Spaß macht mir zusätzlich zur juristischen Tätigkeit auch Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Unsere Mandantenstruktur ist sehr vielseitig. Wir vertreten und betreuen unter anderem Spieler, eSports-Organisationen und Wettunternehmen.

Für Spieler prüfe und verhandle ich vor allem Spieler- und Sponsoringverträge aus. Ich übernehme zudem oft die Kommunikation nach außen und helfe ihnen auch in allen sonstigen rechtlichen Dingen, die nicht unbedingt mit eSports zu tun haben. eSportler sind zudem oft Influencer, wodurch sie auch hier rechtliche Unterstützung benötigen (von Werbevorschriften auf Social Media-Plattformen bis hin zum klassischen Mietrecht).

Ebenso unterstütze ich Teams vordergründig in vertraglichen Angelegenheiten mit Spielern und Sponsoren. Wettunternehmen berate und unterstütze ich gemeinsam mit Arthur und seinem Team beim Einstieg in den österreichischen Wettenmarkt und dem rechtlichen Set-up von Wettplattformen.

Abgesehen davon publiziere ich in juristischen Fachzeitschriften, trage regelmäßig zu eSports bei Veranstaltungen vor und engagiere mich ehrenamtlich beim österr. eSport Verband – ESVÖ, wo ich das Legal Board leite und dem Vereinsvorstand bei rechtlichen Angelegenheiten zur Seite stehe.

Was würdest du einem Einsteiger in die Profiszene empfehlen? Gibt es erfahrungstechnisch schon in den Organisationen und Teams juristische Ansprechpartner?

Einsteigern würde ich besonders am Anfang empfehlen, sich die Sache sehr genau anzusehen, da es vor allem in Österreich noch besonders schwer ist, sich damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nur wenn man es an die Weltspitze schafft, hat man eine Chance, langfristig davon als eSportler zu profitieren. Zudem ist die Konkurrenz besonders groß, daher reicht Talent alleine einfach nicht aus. Professionell betriebener eSport besteht aus sehr harter Arbeit, die man tagtäglich in die Verbesserung seiner Fähigkeiten und Kenntnisse in der jeweiligen Disziplin investieren muss. Meiner Meinung nach sollte man jedoch stets versuchen, seine Träume zu verwirklichen.

Jungen Spielern empfehle ich daher oft, sich ein „Timelimit“ zu setzen, beispielsweise ein halbes bis ein Jahr und sich in dieser Zeit ausnahmslos auf sein Training und sein Spiel zu konzentrieren.

Nach Ablauf des gesetzten Zeitrahmens muss man ein Resümee ziehen und für sich selbst überprüfen, ob sich all die harte Arbeit ausgezahlt hat (etwa in Form von Preisgeldgewinnen oder eines lukrativen Spielervertrags), wenn ja, weitermachen und Kurs halten, wenn nicht, würde ich einen Gang runterschalten und mir das alles nochmals durch den Kopf gehen lassen. Es ist wie gesagt sehr hart um an die Spitze kommen und man muss praktisch alles dem Spiel unterordnen, wenn man zu den Besten gehören will.

Leider gibt es in den heimischen eSports-Organisationen noch keine juristischen Ansprechpartner. Das liegt einfach daran, dass Teams noch nicht die Anerkennung und den finanziellen Back-up haben, um Mitarbeiter anstellen und bezahlen zu können. Ich würde mir jedenfalls sehr wünschen, dass unsere eSports-Teams eines Tages eigene „Rechtsabteilungen“ haben, das würde auch mir als Rechtsanwalt meine Arbeit erleichtern. Auch hier möchte ich meinen Beitrag leisten, dass sich unsere Teams noch weiter professionalisieren können.

International ist es schon sehr wohl üblich, dass eSports-Organisationen auch eigene juristische Abteilungen haben. Ich betreue beispielsweise eine international sehr erfolgreiche eSports-Organisation bei rechtlichen Angelegenheiten in Österreich. Dabei kommuniziere ich fast ausschließlich mit dem Leiter der Rechtsabteilung, der selbst Rechtsanwalt ist. Der fachliche Diskurs auf internationaler Ebene und das gemeinsame Erarbeiten von sachgerechten Lösungen bereitet mir dabei besondere Freude.

Was war juristisch dein persönlich schönstes Highlight in der eSports-Szene?

Wir Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen sind standesrechtlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Aus diesem Grund ist es mir leider nicht möglich, konkrete Ereignisse meiner täglichen Arbeit als Rechtsanwalt zu erzählen, die für mich als „persönlich schönste juristische Highlights“ zu qualifizieren wären. Es bereitet mir jedenfalls große Freude, wenn ich für meine Mandanten die gewünschten Ergebnisse liefern kann. Das ist für mich die größte Anerkennung in meinem Beruf.

In meiner Verbandstätigkeit als Legal Board des ESVÖ durfte ich dieses Jahr meinen rechtlichen Input für die geplante Arbeitsgruppe der Bundesregierung im eSports liefern. Diese soll aller Voraussicht nach im Spätherbst dieses Jahres ins Leben gerufen werden. Ich sehe es als unglaubliche Chance für uns alle, um im eSports-Bereich rechtlich Klarheit zu schaffen, und freue mich auf die Herausforderungen, die noch auf uns alle zukommen.

Weiters durfte ich wiederum als Teil des ESVÖ an der Gründung des europäischen eSports-Verbands in Brüssel im Februar 2020 mitwirken. Auch das stellt ein besonderes persönliches Highlight für mich dar, zumal hier im Vorfeld zahlreiche Treffen der nationalen Verbände und viel Vorarbeit geleistet werden musste, bevor es zu einer gemeinsamen Einigung kam.

Was würdest du jungen Menschen mitgeben, die sagen… Recht und eSports, das will ich auch!

Go for it! eSports ist auch in Österreich gekommen, um zu bleiben. Das heimische eSports-Ökosystem wird stetig weiterwachsen und für zahlreiche Berufsfelder neue Chancen bieten. Auch für Juristen und Juristinnen erschließen sich damit spannende Betätigungsfelder. Neben einem Studium der Rechtswissenschaften würde ich empfehlen, schon bereits während des Studiums Kontakte zu knüpfen – denn nichts geht über gute Kontakte im eSports-Bereich – und erste einschlägige Arbeitserfahrungen bereits während des Studiums zu sammeln.

Wir von Stadler Völkel Rechtsanwälte bieten regelmäßig motivierten Studenten und Studentinnen, die für das Thema „eSports & Gaming“ brennen, die Chance eines Praktikums in diesem Bereich. Zuletzt hatten wir über die Semesterferien für drei Monate einen Vollzeitpraktikanten, der uns in eSports-Causen unterstützt hat und auch generell in den Rechtsanwaltsberuf hineinschnuppern konnte. Aber auch während des Semesters haben wir Studenten und – Studentinnen, denen ein Einblick in eSports gewährt wird.

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Karriere in eSports Teil 9 – Produktion