Österreichs Fenster in die eSports Welt

Karriere in eSports: Wie geht das? Teil 4 – Pressesprecher

Die Karrieremöglichkeiten in der Welt des eSports sind facettenreich. Vieles hat man nicht im Blick, da es eine große Vielfalt an unterschiedlichsten Jobs gibt. Manuel Haselberger ist seit ein paar Jahren Pressesprecher des ESVÖ, dem eSport Verband Österreich. Im Interview hat uns Manuel verraten, wie er dazu gekommen ist, welche Aufgaben er mit dem ESVÖ verfolgt und was euch bei eurer Vereinsfindung helfen kann.

Wie bist du zu deinem Job als Pressesprecher gekommen?

Ich habe 2013 begonnen im eSport zu arbeiten, wobei das damals noch kein Vergleich zur heutigen Zeit war. Wir waren rückwirkend betrachtet genau zwischen 2 Aufschwüngen in Österreich. Gemeinsam mit einem Freund habe ich „Bar of Legends“ in Wien gegründet und League of Legends Viewing Partys angeboten. Danach habe ich verschiedene Dinge in der Szene gemacht. Von den eben angesprochenen Viewing Partys über Kino-Public-Viewings bis hin zu einem LAN Party Catering. Neben dem Studium hatte ich genug Zeit unterschiedliche Projekte voranzubringen.

Ich habe nie das große Geld dahinter gesehen und wollte mit diesen Aktionen der Szene etwas bieten und Erfahrungen sammeln.

Schließlich bin ich dann über ein Praktikum zur AREA52 in Wien gekommen, wo ich über mehrere Jahre hinweg in der Betreuung der Besucher und im operativen Marketing tätig war. Dort durfte ich auch bei mehreren größeren Projekten, wie beispielsweise der GAME CITY und den MK X National Qualifiers aktiv mitwirken.

Nach dem Studium, als ich dann „normal“ Vollzeit zu arbeiten begonnen habe, engagierte ich mich auch verstärkt ehrenamtlich im Verband. Berührungspunkte gab es damals ja schon durch die GAME CITY und einige gemeinsame Turniere. Heute arbeite ich in meiner Rolle als Pressesprecher als Kommunikationsschnittstelle nach außen.

Welche Aufgaben übernimmst du mit dem ESVÖ für die österreichische eSports Gemeinschaft?

Da gibt es viele wichtige und spannende Themen. Grob zusammengefasst arbeitet der ESVÖ als Interessensvertretung für den österreichischen eSports. Wichtig ist, dass wir hier als Dachverband eine offizielle Anlaufstelle für Politik, Wirtschaft, Presse und Vereine sind.

Im Hintergrund sind wir als Verband aber auch sehr vielseitig aktiv. Wir bieten zum Beispiel Schiedsrichterausbildungen, Streamer-Workshops und Hardware-Verleih an unsere Mitglieder an.

Zusätzlich unterstützen wir aktuelle Projekte wie die eBundesliga, wo wir auf technischer Seite helfen und auch Schiedsrichter, für einen geregelten Spielbetrieb, stellen.

Ausgebildete ESVÖ eSport Schiedsrichter
Vom ESVÖ ausgebildete eSport Schiedsrichter

Vereine von damals VS. Vereine von heute?

Im Wesentlichen sind Vereine meist sehr beständig. Es gab in den Aufgaben und Projekten, im Vergleich zu früher, einige Schwerpunktänderungen. Grundsätzlich ändert sich in der Vereinsarbeit aber nichts. Früher haben vor allem Organisatorinnen und Organisatoren die Vereinslandschaft belebt. Ein gutes Beispiel dazu sind LAN-Party Veranstalter. Heute sieht man verstärkt Teams diesen Schritt zur juristischen Person gehen.

Früher hat man sein Team oft eher informell als Clan geführt. Heute sehen wir eine stärkere Tendenz zu einem offiziellen Verein. Das ist aus heutiger Sicht natürlich notwendig, um nachhaltig zu arbeiten. Ein gutes Beispiel dazu sind Themen wie Sponsorings und Spielergehälter.

Was sind die möglichen Wege, um in einem Verein Fuß zu fassen?

Generell empfehle ich neben dem gewissen spielerischen Können auch folgende Erfolgsrezepte für die eigene eSport Karriere.

Team sucht nach Spieler:

Hier gibt es eine offizielle Ausschreibung von den Vereinen. Meist über deren Twitter Kanal oder in den diversen spielspezifischen Facebook Gruppen. Bei Profiteams werden zusätzlich auch Talent-Scouts selbst aktiv, die die Ranglisten der Games durchforsten und potenzielle Kandidaten ausforschen. Danach gibt es in der Regel eine Bewerbungsphase, also das erste „in Kontakt treten“ zwischen Spieler und Teammanager. Darauf folgen im Normalfall ein oder mehrere Tryouts, um den Spieler auch aktiv im Team und Situationen zu testen. Abgeschlossen wird die Spielerverpflichtung mit einem Spielervertrag.

Spieler sucht Team:

Hier ist es eher mit einer Initiativbewerbung vergleichbar. Viele Spieler posten aktuell auch LFT-Grafiken „Looking for a Team“. Dort wird kurz deren spielerischer Werdegang abgebildet. Ob es jetzt das aktuelle Ranking, die eSports Erfolge oder grob die Vorstellungen, wenn es in Richtung Profivertrag geht. Mein Tipp: Realistisch bleiben! Darüber hinaus sollten aktive Bewerbungen an die Teammanager geschrieben werden, in denen konkret nach einer Try-Out Phase gefragt wird. Newcomer finden auch oft Platz in einem Academy Team des Vereins und können sich dort für die Anfangsphase beweisen, um organisch auch im Team zu wachsen.

Welche Tipps würdest du einem angehenden Vereinsspieler noch mitgeben?

Eine Bewerbung geht über eine E-Mail oder Twitter Einzeiler hinaus. Gerne kann auch ein kleiner Lebenslauf mitgeschickt werden. Eine Teambewerbung muss genauso sorgfältig verfasst werden, wie auch eine klassische Jobbewerbung.

Überlegt euch, wie ihr euch aktiv einbringen könnt. Gefordert werden nicht nur das eigene Können und ein gutes Ranking. Seid ihr eher der Stratege, der auch Calls übernehmen kann? Habt ihr eine Fan-Reichweite die ihr mitbringen könnt? Auch das könnte für ein Team von Wert sein. Wie könnt ihr euch noch im Team engagieren (Beispiel: Content-Formate, kleine Guides und Videos,…)?

Loyalität dem Team gegenüber ist ein Must! Steht zu eurem Wort und wechselt nicht bei der nächstbesten Gelegenheit den Verein oder das Team. Wenn ihr euch eine volle Saison ausgemacht habt, spielt diese auch. So verlockend ein anderes Angebot auch wirken mag. Langfristig gesehen haben nur loyale Teamspieler auch Platz in Profi-Teams.

Wenn wirklich der ganz große Karrieresprung in Aussicht ist, sprecht mir eurem Team. Transparenz und Kommunikation sind hier wichtig!

Abschließend: Kann ich aktuell auch Mitglied beim ESVÖ werden?

Als Verband haben wir ausschließlich juristische Personen als Mitglieder. Das sind bei uns die Vertreter unsere Mitgliedervereine. Genau genommen bin ich also auch kein Verbandsmitglied, sondern arbeite als Funktionär mit. (lacht)
Wer sich im eSport engagieren möchte und motiviert ist, kann sehr gerne bei uns mitarbeiten. Eine gute Anlaufstelle hierfür sind unsere Schiedsrichterschulungen. Die Türe ist immer offen!

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