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Karriere in eSports: Wie geht das? Teil 9 – Produktion

Jedes Event steht und fällt mit ihrer Produktion. Aber was ist dahinter? Wie wird man Herr der Lage und hat technisch immer alles unter Kontrolle, um uns zu Hause, On Stream oder am Smartphone Teil eines eSports Event sein zu lassen. Michael Fuchs ist mit seiner Produktionsfirma Netrock Entertainment in der österreichischen eSport Szene verankert und hat sich auch schon auf einigen internationalen Veranstaltungen bewiesen. 

Wie hat es sich ergeben, dass du eSport Veranstaltungen produzierst?

Meine erste Produktion war 2014, ein CS:GO Turnier. Damals noch mit Austrian Force e-Sports. Es kamen noch einige weitere hinzu, bis Anfang 2018. Zu der Zeit musste ich mich entscheiden, Beruf oder Streaming, da nach und nach Anfragen und Aufträge auf mich zugekommen sind und ich es neben meinem damaligen Job nicht mehr stemmen konnte.

Ich habe mich Mitte 2018 Selbstständig gemacht und begonnen, die ersten Events hauptberuflich zu produzieren. Bis Ende 2019 konnte ich mich in der österreichischen Szene ziemlich gut etablieren. Da wir damals bei Austrian Force e-Sports sehr viele eSports Events selber veranstaltet haben und ich sehr viel Spaß dran hatte, wollte ich auch unbedingt wieder als Veranstalter auftreten und nicht nur als Dienstleister.

Um das tun zu können, habe ich mit meiner Firma das Projekt NetRock GG gegründet. Mit NetRock GG will ich natürlich auch das Umsetzen, auf was ich Bock habe. Derzeit läuft eine sehr erfolgreiche PUBG Liga, aber auch Turniere mit anderen Games wie Valorant oder Doom Eternal durfte ich schon produzieren und begleiten.

Ein Event zu Übertragen stellen sich viele einfach vor. Kamera an und wird schon gut gehen. Wie viel steckt wirklich dahinter?

Ich könnte hier jetzt erzählen, wie genau ein Stream aufgebaut ist, aber das wäre zu technisch. Am besten versteht man den Aufwand, wenn man die Zeit auflistet, die dahinter steckt. Ich habe das Glück seit der ersten Stunde bei der eSports League Austria mitwirken zu dürfen.

Wenn eine neue Season losgeht, bekomme ich meistens 1 bis 2 Monate vor Start den ersten Anruf. Gefolgt von einigen Meetings fangen ein paar Wochen vor dem ersten Stream mit der Gestaltung der Overlays, also die Grafiken, Bilder und alles, was in den Stream soll, an. Das kann schon gut 60 bis 70 Stunden dauern, bis alles fertig ist.

In der Zwischenzeit wird auch der Zeitplan finalisiert, unzählige E-Mails und Anrufe mit allen beteiligten Partnern geschrieben und Testläufe von Equipment und einzelnen Abläufen durchgeführt. Je nach Veranstaltung wird dann meistens 2 Tage vor dem ersten Stream-Start aufgebaut. Ab dem Zeitpunkt wird so ziemlich durchgearbeitet, bis die Produktion vorbei ist.

Für mich gibt es kein schöneres Gefühl, eine erfolgreiche Produktion abgeschlossen zu haben. Wenn man das Produkt, also die Liveaufzeichnung sieht und merkt, dass sich all die Mühe gelohnt hat.

Was war deine bisher größte Herausforderung bei einem Live Event?

Das war ganz klar mit der Formel 1. Ich durfte für die Formel 1 eine kleine Produktion machen. Die Anforderung war ein Live Signal von der jeweiligen Strecke von der Boxengasse Live zu Streamen, aber wegen Corona durfte niemand hinein. Das Equipment musste der Boxen Crew übergeben werden, und sie müssten auf unsere Anweisung hin alles bedienen.

Es passieren so viele Dinge unter einem Event. Hast du ein Highlight an das du dich gerne erinnerst?

Ich glaube mein größter Erfolg bis heute war die Zusammenarbeit mit RIOT selbst bei der Primertour Ende 2018 auf der VCA in Wien. Ich habe so viel lernen dürfen und eine Produktion für Teams wie Mousesports, Euronics Gaming oder BIG zu produzieren war einfach der absolute Hammer.

Eine Produktionsfirma zu starten ist keine leichte Aufgabe. Was würdest du jemanden empfehlen, der ebenfalls in diese Richtung gehen möchte? Ausbildung Vs. Learning by Doing?

Eine richtige Ausbildung in Sachen live Streaming, besonders im Bereich eSports und Gaming für Twitch oder YouTube, gibt es nicht. Es hilft aber ein großes Vorwissen im Bereich Kameras, Objektive, Beleuchtung und Video Formate zu haben. Hier gibt es einige Studiengänge, die einem beim Einstieg in die Streamingwelt helfen können. Alles Weitere ist reines Learning by Doing. Man muss sich auf jeden Fall im Klaren sein, dass man sehr viel Lehrgeld zahlen wird und viel experimentieren muss. Aber das macht es wiederum auch so unglaublich interessant.

Abschließend: Wo werden wir dich mit Netrock GG als nächstes live erleben?

Durch die derzeitige Situation wird man mich auf einem offline Event eher weniger sehen können, vielleicht auf der Vulkan LAN, wenn sie stattfindet. Aber online könnt ihr uns gerne bei der PUBG Dach Open live mitverfolgen. Eine Eigenproduktion, die wir Anfang des Jahres gestartet haben und die mittlerweile schon in der dritten Season ist.

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