Österreichs Fenster in die eSports Welt
Jennifer Rassi Vienna Comic Con weibliche Gamer

Männerdomäne eSports: Wo sind weibliche Gamer?

„Glück im Spiel, Pech in der Liebe.“ Ein Sprichwort, das auf einige eSportler zutreffen dürfte. Denn wer in der Freizeit ausschließlich mit Gaming-Freaks unterwegs ist, lernt selten bis nie weibliche Gamer kennen. Die sind schlicht und einfach eine Seltenheit! Aber warum ist das so? Wir gehen gemeinsam mit Jennifer Rassi von der Vienna Comic Con auf Spurensuche.

eSports Events sind männlich!

Die Events in der Szene sind testosterongeprägt. So lautete auch die allgemeine Einschätzung beim zweiten eSports-Roundtable in der Wiener Area52 vergangene Woche. „Zirka sechs Prozent sind weiblich bei uns, der Rest sind Männer“, so das statistische Fazit von Area-Leiter Kevin Trau. Ein Resümee, das auch der Betreiber der Wiener Respawn Bar, Patrick Tondl, teilt: „Auf der Vienna Comic Con war von den vier Teams genau ein Mädchen dabei. Das ist die Quote. Aber bei mir im Lokal merke ich: Je mehr Leute da sind, desto mehr Mädels sind auch da. Und ich sehe auch immer mehr Pärchen zocken bei uns!“ Pia Römer (eSports.at und Vice President Digital bei UPC) bringt es auf den Punkt: „Es gibt sie, die weiblichen Gamer. Aber die Frage ist, wieso die Visibility nicht da ist!“

Haben weibliche Gamer die Tarnkappe auf?

Dass es sehr wohl weibliche Gamer gibt, beweist Jennifer Rassi. Sie arbeitet bei der Vienna Comic Con, in der Freizeit spielt sie vor allem „Super Smash Bros. Melee“. Der Einstieg in die virtuelle Welt war für sie buchstäblich ein Kinderspiel: „Ich habe zwei Brüder, deshalb bin ich auch in einer Burschenszene aufgewachsen. Bei meinen Freundinnen sehe ich, dass keiner sich hinsetzen und stundenlang üben will.“ Jennifer ist also Gamerin von Kindheit an. In punkto Akzeptanz ist aber doch nicht alles easy, sagt sie: „Viele Mädchen trauen sich nicht gegen Burschen zu spielen, weil sie denken, bloßgestellt zu werden. Aber dabei sind viele wahrscheinlich sogar wesentlich besser als sie annehmen!“

Obwohl sie also echt was drauf hat, wird Jennifer teilweise unterschätzt: „Männer können schon sehr gemein sein, aber verspotten tun sie mich nicht – gerade, weil ich das drauf hab! Sie neigen dazu, Frauen und vor allem hübsche Frauen zu unterschätzen, wenn es ums Zocken geht. Aber das kommt halt denk ich daher, dass dass es für sie sonst zu perfekt wäre. Eine Frau, die gut aussieht und dann auch noch gut spielt? – Unmöglich!“ Klar, dass da nicht viel weiblicher Nachwuchs aufkommt: „Vom Zuschauen her kommen viele Mädels, aber viele trauen sich offenbar nicht selber nicht spielen. Ich geh‘ oft auf Turniere und bin oft das einzige Mädchen dort. Und ich hab auch keine Freundinnen, die spielen. Ich glaube, du musst auch damit aufgewachsen sein“, meint sie im Interview mit eSports.at.

Jennifer Rassi Vienna Comic Con eSports weibliche Gamer

Jennifer Rassi spielt für ihr Leben gern Computerspiele.

 

Vieles spricht für „Gender Gaming“!

Auch wenn das für die Ladies unter den Gamern alles noch so düster und aussichtslos wirken mag – aus einer rein logischen Betrachtungsweise spricht Einiges für einen höheren Gamerinnen-Anteil im eSport! Das sieht auch Area52-Chef Kevin so: „Das Schöne am Gaming ist, dass da kein Unterschied vom Körperlichen her ist! Wir haben auch immer probiert, Events zu machen mit mehr Mädels, aber nur mit bedingtem Erfolg! Aber es steigt und es wird auch in Zukunft steigen.“ Dass trotzdem aller Anfang schwer ist, weiß auch John Mörth von der Gamers Academy  in Bad Vöslau: „Ich glaube, es ist schwer, eine Quote wie bei den Männern zu erreichen. Man muss es interessanter gestalten. Die Frage ist: Wie einsteigerfreundlich sind Spiele? Zum Beispiel: LoL ist katastrophal, um damit anzufangen. Ich kenne Mädchen, die eher im Konsolenbereich spielen!“

John Mörth Gamers Academy Bad Vöslau eSports

John Mörth von der Gamers Academy: „Einstieg für Mädels interessanter gestalten!“

Respawn setzt auf Einstieg ohne Hürden

Genau diese Einstiegs-Barriere kennt auch Patrick vom Respawn: „Die Community ist jetzt nicht sehr freundlich gegenüber Frauen. Auf Twitch und so… Ich glaube, es ist da auch nicht leicht, in diese Burschenwelt hineinzukommen.“ Deshalb lautet sein Konzept: erst einmal einen niederschwelligen Start in die eSports-Welt ermöglichen. Und der findet in Patricks Bar oftmals gar nicht auf dem PC statt: „Wir haben auch Brettspiele, da sehe ich die meisten Mädchen sitzen.“ Und wo einmal ein paar Mädchen beisammen sitzen, lassen die Burschen auch nicht lange auf sich warten!

Die Devise für weibliche Gamer lautet also: „Ausprobieren! Sich nicht entmutigen lassen!“ Alles andere kommt dann schon, meint Gamerin Jennifer: „Wir können nicht erwarten, dass das von einem Moment auf den anderen funktioniert.“ Jennifer hat es geschafft und sich erfolgreich durch den „Männer-Dschungel“ gekämpft. In Gamer-Kreisen genießt sie längst Respekt und Ansehen. „Nicht immer, weil ich so super gut bin, sondern einfach, weil ich mit Herz und Seele dabei bin und damit aufgewachsen bin!“, meint sie. Die Rekrutierung von Mädchen für den eSports wird also nicht von heute auf morgen passieren. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Spiel auf Zeit“.