Österreichs Fenster in die eSports Welt
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eSportler des Monats: Michael Sellnar alias Zeranto Gaming

Zeranto Gaming wurde im Mai eSportler des Monats. Er ist großen Teilen der österreichischen eSports Community als Caster bekannt, sein Main Game ist Rainbow Six Siege. Für das Delay beim Content über Michael Sellnar alias Zeranto Gaming gibt es einen erfreulichen Grund: der eSportler des Monats ist nämlich zum dritten Mal Vater geworden!

Das Leben ist manchmal eine Achterbahn der Gefühle. Oft sogar derart turbulent, dass nicht einmal Computerspiele vom Action-Level her mithalten können. Michael Sellnar alias Zeranto Gaming kann ein Lied von den Turbulenzen des Lebens singen. Er tut es aber unaufdringlich und sympathisch und keineswegs wehleidig. Und nur, wenn man ihn danach fragt. Um die History von Zeranto Gaming zu verstehen, muss man allerdings auch seine Schicksalsschläge kennen. Denn sie sind ein Teil der Geschichte.

Wie alles begann…

Ein Blick zurück in die Kindheit von Michael zeigt, wie alles anfing: „eSports habe ich immer schon gemacht, schon als Kind habe ich gezockt“, erinnert sich Zeranto Gaming. „Ich habe auch LAN Parties organisiert, aber mit maximal zwanzig Leuten“, schildert er weiter. Nach der Geburt seines schwer behinderten Sohnes Raphael war dann vorerst Schluss: „Da habe ich eine Pause gemacht.“ Auch seinen Job als Polizist gab Michael damals auf, um sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin voll um Raphael kümmern zu können. Doch ganz ohne Zocken ging es dann doch nicht, sagt Michael: „Ich habe wieder begonnen, Ego-Shooter zu spielen, aber diesmal auf der Konsole.“

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Michael Sellnar alias Zeranto Gaming zu Gast bei eSports.at

Das schwere Schicksal von Raphael

Raphael ist der älteste Sohn von Zeranto Gaming. Er kam vor neun Jahren zur Welt, kurz danach die Schockdiagnose „Epilepsie“. Wegen einer Reihe von Folgeerkrankungen wurde eine Operation nötig, die dann den nächsten Schock mit sich brachte. Die Ärzte mussten Raphael während der OP reanimieren, konnten ihn aber ins Leben zurück holen. Heute spricht Zeranto Gaming mit Fassung über das Schicksal seines Ältesten: „Er ist schwerst behindert. Es war eine sehr schwierige Zeit, die wir durchmachen mussten. Mittlerweile können wir aber den Alltag meistern und man lernt damit umzugehen. Uns hat es als Paar wirklich zusammen geschweißt.“ Und wie passt das Gaming da hinein? „Das Zocken kann viel helfen, auch abschalten zu können.“, sagt Michael.

Freud und Leid nach der Geburt des dritten Sohnes

Ein Schock-Déjà-vu ereilte Michael dann direkt nach der Geburt seines dritten Sohnes Anfang Juni. „Ben hatte einen Infekt, direkt nach der Geburt. Er war auch eine Woche auf der Intensivstation“, schildert Zeranto Gaming, „und das war ein Riesen-Schock, weil es dieselbe Diagnose war wie bei Raphael. Ben war aber Gott sei Dank in guten Händen, er ist jetzt zu Hause. Die Ärzte haben mir und meiner Lebensgefährtin gesagt, dass jetzt nichts mehr sein kann!“

Start einer neuen Ära: Michael Sellnar alias Zeranto Gaming

Als vor drei Jahren Rainbow Six Siege erschien, legte Michaels Gefühls-Achterbahn erneut eine steile Aufwärtsfahrt hin: „Das war für mich ein Must Have! Da ich selber bei der Polizei war, hab ich gesagt: Das muss ich haben!“ Gesagt, getan! Schnell vertiefte sich Zeranto Gaming in sein neues Main Game, um schließlich Anfang 2017 als Caster durchzustarten. „Meine Freunde haben gesagt: ‚Caste mal ein Team!‘“, erinnert sich Michael im Interview mit eSports.at, „und es kam so gut an, dass die Leute gesagt haben: ‚Hey, kannst du uns auch mal streamen?‘“

Schnell hatte Zeranto Gaming pro Tag bis zu vier Anfragen von Teams. Und so konnte er bei der Auswahl von Partnern für seinen Stream aus dem Vollen schöpfen. Seine Lebensgefährtin hat zu all dem ihr Okay gegeben: „Ich habe dann mit ihr geredet, und sie hat gesehen, dass es Erfolg hat. Wir haben Kompromisse getroffen. Ich habe mir einen PC zugelegt. Mal da ein Teil, mal dort ein Teil.“ Und der Erfolg gibt ihm Recht: Bisher hat Zeranto Gaming mehr als 1.200 Follower auf Twitch gewinnen können, auf Youtube sind es mehr als vierhundert Abonnenten.

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Michael Sellnar vor seinem Alter Ego „Zeranto Gaming“

Vom echten zum virtuellen Polizisten

Wenn man so will, hat Michael nun seinen Beruf als Polizist zurück. Nur eben im virtuellen Raum: „Ich wollte immer zu einer Spezialeinheit, zur WEGA. Es ging aber aufgrund der familiären Situation nicht.“ Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind aber dennoch klar erkennbar, meint er: „Irgendwo finde ich, ist dieser Abstand zwischen echtem Leben und virtueller Welt schon gegeben. Der Realitätsgrad nimmt aber sehr, sehr zu! Anscheinend will es die Menschheit so. Mit echten Einsätzen hat das aber in Rainbow Six wenig zu tun.“

Und das ist gut so, meint Zeranto Gaming: „Die Menschheit ist nämlich mehr suchtgefährdet als vor dreißig Jahren.“ Das neue Update von Rainbow Six macht es nicht unbedingt einfacher: „Ein Match dauert jetzt bis zu dreieinhalb Stunden. Das ist für einen Laien-Spieler finde ich sehr, sehr extrem! Ich glaube, das wird die Community nicht lange mitmachen.“ Für Profis sind vier Stunden Spielen am Stück kein Problem, das ist deren Beruf. Für die Casual Gamer wünscht sich Zeranto Gaming aber ein eigenes Regelwerk.

Zum Reich werden reicht’s (noch) nicht

Geld verdient Michael Sellnar alias Zeranto Gaming mit seinem Stream noch nicht viel. Ab und zu tröpfeln Donations rein, schildert Michael: „Ich freue mich über jede Donation, über jeden Cent, über jeden Abonnenten!“ Als Brotberuf könnte er eSports derzeit aber nicht ausüben: „Man kann sehr wohl Geld verdienen, aber man darf sich nicht erwarten, dass man in einem Monat reich ist. Die Community unterstützt das auch gar nicht, wenn jemand das aus reiner Geldgier macht. Ich bin noch sehr weit weg davon, es hauptberuflich machen zu können. Aber für mich ist es okay, so wie es ist!“

So wie es ist, ist es auch für seine Kids und die Lebensgefährtin okay. Wobei: Zuschauen dürfen die beiden älteren Kinder (sieben und acht Jahre alt) nicht. Da hat Zeranto Gaming klare Regeln: „Ich sage dann: ich geh jetzt streamen und will jetzt auch meine Ruhe haben.“ Dafür darf Michaels Zweitältester auf der Nintendo Switch altersgerechte Games spielen.

Wünsch dir was!

Bleibt noch ein kurzer Blick in die Zukunft von Zeranto Gaming: „Mein Riesen Wunsch wäre es mal, dass Rainbow Six in Österreich viel mehr präsent wird! Und dass ich vielleicht auch mal bei Offline-Events vor Ort casten kann.“ Apropos Offline-Events: die fehlen bei Rainbow Six in Österreich noch ein wenig. Deshalb der Call to Action an die Community: Taggt euch! Vernetzt euch! Vielleicht gibt’s ja bald ein Offline-Turnier mit Zeranto Gaming als Caster!