Österreichs Fenster in die eSports Welt
LAN PARTY Titel

Mission LAN Party – die JKU Experten im Interview

LAN Partys sind aus dem Gamer-Leben einfach nicht wegzudenken. Auch bei uns in Österreich stehen in den nächsten Wochen und Monaten wieder einige LANs an. Etwa die Headshot LAN#45 in St. Johann in Tirol oder die Frag House LAN 2018, beide zu finden im eSports Eventkalender. Ganz zu schweigen von den vielen privaten LAN Partys in den eigenen vier Wänden. Wie viel technisch und organisatorisch an einer LAN Party hängt, haben wir mit den Profis von der Linzer Johannes Kepler Universität diskutiert. Video-Interview inklusive!

Österreich ist in Sachen LAN Partys ein Zwergenland. Zumindest, was die Teilnehmerzahlen betrifft. Von einer DreamHack in Schweden mit unglaublichen 10.455 angeschlossenen Computern sind wir Lichtjahre entfernt. Dennoch gibt es viele wirklich top professionell organisierte LANs, darunter etwa die JKU LAN in Linz. Mit 500 PC Plätzen war sie im November die größte derartige Veranstaltung in Österreich seit Jahren. Wie so oft haben die Veranstalter einen wissenschaftlichen Background – sie alle kommen von der Johannes Kepler Universität. Und im Interview demonstrierten sie uns, wie viel Know How und Organisationstalent tatsächlich hinter einer LAN Party steckt.

Klare Aufgabenteilung führt zum Erfolg

Erfolgsgeheimnis Nummer eins klingt ganz unspektakulär. Ohne klare Kompetenzverteilung geht es einfach nicht. Im Fall der JKU LAN sieht das folgendermaßen aus: Tobias Höller fungiert als Netzwerk-Zauberer, sein Kollege Alexander Woike zeichnet für den Bereich Strom verantwortlich und Matthias Holzinger schupft die Koordination und Organisation. Das ist aber nur die Speerspitze, denn insgesamt arbeiten beim Aufbau einer JKU LAN bis zu 30 Leute mit!

LAN PARTY JKU LAN 1

Organisieren die JKU LAN: Tobias Höller, Matthias Holzinger, Alexander Woike (von links nach rechts)

Hohe Ansprüche bei Spielern und Technikern!

Tobias Höller genießt in seinem Freundeskreis den Spitznamen „Netzwerk-Zauberer“. Und dem muss er bei jedem LAN-Event auch gerecht werden, denn die Ansprüche sind nervenaufreibend hoch. Aber sie sind auch berechtigt, weiß Tobias: „Insbesondere, was Latenz und so betrifft, sind die Spieler sehr empfindlich. Und sobald da irgendwas nicht ganz so passt, wie sie sich’s wünschen, kommen sofort die Beschwerden. Und auf einer Veranstaltung, wo 400 bis 500 Gäste sind, muss man damit rechnen, dass dann 150 Leute da stehen und sich beschweren: ‚Internet geht nicht!‘“

„Geht nicht“ gibt’s nicht!

Damit es gar nicht erst so weit kommt, führen die JKU Boys vor jeder LAN Party umfassende Tests im Labor durch. „In der Vorbereitung ist es meist so, dass man zwar nicht mit voller Last testen kann, aber man kann das künstlich limitieren“, erklärt Tobias, „das heißt: Normalerweise hat ein Netzwerkkabel ein Gigabit Übertragungsrate, aber man kann sehr leicht sagen: Okay, ich reglementiere das jetzt auf ein Megabit runter, habe damit nur ein Tausendstel von der Übertragungsrate und kann damit immer noch so tun, als wenn mein Netzwerk jetzt überlastet wäre. Und damit kann ich gut simulieren, wie ich in so einem Ernstfall das Problem wieder in den Griff kriege.“ Doch damit nicht genug: Viel heikler als die Netzwerk-Thematik ist nämlich das Thema Strom!

Kilometerlanges Kabel Wirr-Warr

Das Know How und die Logistik dahinter kommt von Alexander Woike: „Wir sprechen da von etwa fünf Kilometern Starkstromverkabelung, etwa 300 Dreierverteilern und diversen Verlängerungen. Und wir haben derzeit etwa vier Kilometer an Netzwerkverkabelung am Start.“ Soweit die Dimensionen für eine LAN mit 500 Teilnehmern wie in Linz. Der Aufwand für eine DreamHack liegt da noch einmal um ein Zigfaches höher! Die heikelste aller Herausforderungen auf LAN Partys ist allerdings die Nennleistung, sagt Alexander im Interview mit eSports.at: „Die Nennleistung ist das wirklich Tragische. Wir haben Nennleistung 1.000 Ampere, das heißt, das ist gerechnet auf im Durchschnitt 500 Watt-Geräte. 1.000 Ampere ist wesentlich mehr als der durchschnittliche Hausanschluss hat. Und sogar die Universität hat da kurzfristig einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: ‚Uh, da werden wir ein Problem haben!‘ Schlussendlich haben wir dann drei Gebäude angezapft und den Strom aus der gesamten Uni herangezogen. An diesem Wochenende ist der Strom niemandem abgegangen.“

Unis oder HTLs als ideale Infrastruktur-Geber

Auffällig ist, dass viele LAN Partys im Umfeld von Universitäten oder HTLs stattfinden. Klar! Dort gibt es jede Menge Know How und Equipment. Doch es geht auch ohne, weiß JKU Organisations-Talent Matthias Holzinger: „Es geht definitiv. Es gibt auch einiges an sehr alten LAN Vereinen in Österreich, die das lange schon machen und keinen Uni-Background haben. Bei uns ist der Background durch die Universität gekommen, wir sind aber ein ganz junger Verein.“ Übrigens: die nächste JKU LAN in Linz gibt es im Frühjahr, so viel konnte uns Matthias schon verraten: „Genaues Datum haben wir noch nicht. Aber wir sind fleißig am Planen.“

LAN PARTY JKU LAN

„Ohne Teamwork keine LAN Party!“ Das gilt auch beim JKU LAN in Linz kommendes Frühjahr.

Mini LAN PARTY für zu Hause

Wer nicht mehr bis zur nächsten JKU LAN im Frühjahr warten will, kann ja seine eigene LAN Party zu Hause schmeißen. Das ist keine große Hexerei, sagt Netzwerk-Zauberer Tobias: „In dem Fall ist beim Netzwerk auf wenig zu achten. Da muss man halt einen Netzwerk-Switch haben, der genug Steckplätze hat, damit man alle Leute anstecken kann. Aufpassen muss man aber, wenn man’s über WLAN probiert. WLAN wird zwar immer besser, aber bei zu vielen Leuten bekommt man da schnell Probleme. Aber wenn man einen Switch mit genügend Plätzen hat, hat man mit bis zu 16 Leuten überhaupt kein Problem! Das wird sicher funktionieren.“ Doch auch zu Haus geht das Licht leicht aus: denn wer zu viele PCs an einen Stromkreis hängt, sitzt schnell mal im Dunkeln. Also Schaltpläne studieren oder den einen oder anderen Stromfresser abstecken, ist bestimmt kein Fehler.

Trotz bester Vorbereitung: Absolute Sicherheit gibt’s nie!

Ganz egal, ob zu Hause mit Freunden oder bei einer großen LAN Party: hundertprozentig sicher sein darf man sich nie. Dafür spielen bei LANs einfach zu viele Variablen mit. IT-Experte Tobias bringt es auf den Punkt: „Die Schwierigkeit ist, dass auf der LAN Party lauter Leute mit eigenen Computern kommen. Das heißt, man muss damit rechnen: Was auch immer diese PCs machen, muss man unterstützen. Und viele Computerspiele verhalten sich nicht unbedingt so, wie sich alles andere in einem Netzwerk verhält.“ Das Mittel zum Erfolg: Eigenkreationen und Hacks bauen, damit das Netzwerk stabil bleibt. Aber das kann dann eben wieder nur ein Netzwerk-Zauberer. 🙂