Österreichs Fenster in die eSports Welt
Frauen im eSport League of Girls Natalie Denk

Natalie Denk im Interview: Mehr Frauen im eSport etablieren!

Natalie Denk ist passionierte Gamerin. So passioniert sogar, dass sie als Spieleforscherin an der Donau Universität Krems ihre Brötchen verdient. Mit PICAPIPE setzt Denk die Online-Plattform „League of Girls“ um – mit dem Ziel, mehr Frauen im eSport an die Spitze zu bringen. Mit uns sprach Natalie über die männliche Dominanz im eSport, weibliche Role Models und das Potenzial von League of Girls.

Frauen im eSport stark unterrepräsentiert!

Dass eSports Turniere stark testosterondominiert sind, ist kein Geheimnis. Die Zahlen der großen eSports Umfrage von UPC sprechen eine deutliche Sprache: Der Frauenanteil in der Gesamtzielgruppe der Online-GamerInnen liegt in Österreich bei 47 Prozent. Bei den Daily GamerInnen sind es schon nur mehr 33 Prozent. Ganz krass die Zahl der eSportlerinnen: Hier sind nur mehr 5 Prozent weiblich! Doch warum ist das so?

Frauen im eSport Natalie Denk im Interview

Spieleforscherin Natalie Denk im Interview über Frauen im eSport

Männliche Dominanz ist ein Teufelskreis

„Die eSports Szene wirkt extrem männlich dominiert“, anaylsiert Natalie Denk im Interview mit eSports.at, „und schon allein dadurch sehen sich viele Frauen nicht im eSport. Das ist ein bisschen ein Teufelskreis. Im Idealfall sollten sich aber Frauen nicht zurückschrecken lassen!“ Oft beginnt es schon bei der Auswahl der Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke durch Mama und Papa, meint die Spielerforscherin: „Burschen kriegen schnell einmal ein Computerspiel geschenkt, Mädchen eher nicht. Umgekehrt würden viele einem Burschen keine Puppenküche schenken.“

Frauen an den PC statt an den Herd?

Müsste also die althergebrachte „Frauen an den Herd“-Rhetorik einem „Frauen an den PC“-Credo weichen? Spieleforscherin Natalie Denk lässt den erhobenen Zeigefinger in der Hosentasche und bringt es noch viel treffender auf den Punkt: „Man muss zulassen, dass andere Personen auch andere Meinungen haben. Wenn man sich auch öffnet für andere, kann man besser diskutieren.“ Im Idealfall beginnt die Diskussion und das gegenseitige Zuhören schon im Kindesalter, sodass auch ein alternatives Rollenbild wie etwa das zockende kleine Mädchen akzeptiert wird. Die gute alte Puppenküche muss ja deshalb nicht gleich per Gesetz abgeschafft werden.

Frauen im eSport Natalie Denk im Interview mit eSports.at

Für ein bunteres Bild im eSport: Mut zum Role Model!

Wo sind die weiblichen Role Models?

Um die Visibility der Gamerinnen zu steigern, wünscht sich Natalie Denk mehr Role Models: „Jede Gamerin kann zum Role Model werden, wenn man sie sichtbar macht. Da geht es aber nicht darum, zu sagen ‚Wow, schau, die kann Computer spielen!‘“ Außerdem müssen Role Models nicht zwingend Top-Gamerinnen sein: „Das müssen keine Superheldinnen sein, das können auch Neue in der Szene sein!“, meint Natalie im Interview. Bereits bekannte Role Models sind etwa Yvonne Scheer (Gender-Beauftragte des ESVÖ), Jennifer Rassi (Vienna Comic Con) oder LOL-Profi Marlies „Maestra“ Brunnhofer.

League of Girls vernetzt die Gamerinnen!

Um immer mehr Ladies den Weg in den eSport zu ebnen, brachte Natalie Denk mit PICAPIPE die Community-Plattform www.league-of-girls.com an den Start. Über die Hauptfunktionen News, Chat und Meet sollen vor allem Gamerinnen tiefer in die Szene eintauchen und sich vernetzen können, erklärt Natalie: „Ich kann zum Beispiel als Gamerin, wenn ich League of Legends spiele, gezielt nach Pro-Gamerinnen suchen!“ Auch Männer tummeln sich auf der Plattform, schließlich können auch sie wichtige Mentoring-Funktionen für NewcomerInnen übernehmen. Derzeit befindet sich League of Girls noch in der Beta Phase, Anfang 2019 soll der Zusatz „Beta“ dann aus dem Design verschwinden.

League of Girls vernetzt Frauen im eSport

www.league-of-girls.com vernetzt Frauen im eSport

Schulausflug der Profi-Gamerinnen

Kleiner Exkurs am Rande: Auch in punkto „eSports an Schulen“ ist Natalie Denk im wahrsten Sinne des Wortes Vordenkerin. „eSports und Schule wird bald ein großes Thema sein, denke ich! Es gibt ja schon Schulen, die eigene Ligen haben“, so Natalie. In Österreich ist das noch Zukunftsmusik. Einen Vorgeschmack darauf gab es aber dennoch im Rahmen eines Pilotprojektes: „Wir haben in einer Schule mal testweise einen Versuch gestartet mit der Marlies (Anmerkung: Marlies „Maestra“ Brunnhofer) und der Tanja (Tanja „Escape x3“ Reither) von den Zombie Unicorns“, erinnert sich die Spieleforscherin,  „sie haben das noch nie gemacht, dass sie mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet haben und es waren alle ganz begeistert, dass sie mit LOL Profis spielen können! Und für die Burschen war das ganz normal, dass sie mit Profi-Frauen zocken.“ Bleibt zu hoffen, dass das Schulprojekt selbst Schule macht!

 

Links:

Donau Universität Krems

PICAPIPE