Österreichs Fenster in die eSports Welt
Philipp Gutmann

Philipp Gutmann und die FIFA Road to Glory

Was für viele ein sehnlicher Wunsch, ist für FIFA Profi Philipp Gutmann gelebte Realität. Der 23jährige Grazer verdient mit eSports seine Brötchen und ist spätestens seit dem Sieg bei der eBundesliga 2017 innerhalb der Gaming-Szene österreichweit bekannt. Die eSports.at Community wählte „philsks1909“ im November 2018 zum eSportler des Monats. Mit uns plauderte er über seinen Weg in die Profi-Liga, seine Kriterien für guten Twitch-Content und darüber, was die FIFA Road to Glory für ihn bedeutet.

Mit den Händen begabter als mit den Füßen

Schon im zarten Alter von fünf Jahren war Philipp Stammgast im Stadion: „Graz war immer schon irgendwie der Lebensmittelpunkt“, schwärmt der FIFA Profi aus dem steirischen Bezirk Deutschlandsberg, „es war klar, dass ich nach Graz ziehe!“ Gesagt, getan: Mit dem Besuch der Elektrotechnik-HTL übersiedelte Philipp in die Landeshauptstadt. Als passionierter Sturm Graz-Fan und Abo-Besitzer pilgerte er bei jeder Gelegenheit ins Liebenauer Stadion, zusätzlich legte er selbst in einem Fußballverein Hand – oder besser gesagt Fuß – an. „Ich war Innenverteidiger, aber nie der Beste“, erinnert sich der eBundesliga-Winner selbstkritisch, „mit den Füßen war ich nie so begabt wie mit den Händen.“ Und so war im Alter von 17 Schluss mit dem „echten“ Fußball.

Philipp Gutmann "philsks1909": Mit Händen besser als mit Füßen

Mit seiner FIFA Road to Glory mischt philsks1909 die Szene auf.

Bis 2012 keine eigene Konsole

Den Sprung in den eSport wagte Philipp dann 2016, „weil da die Weekend League gekommen ist.“ Seine steile Entwicklungskurve ist auch deshalb interessant, weil Philipp bis 2012 keine Konsole haben durfte. Bis dahin zockte er FIFA ausschließlich am PC oder bei Freunden und Nachbarn. Ganz egal, welches PC Game er anrührte: „Ich habe immer irgendwie besonderes Talent gehabt“, erinnert sich der 23Jährige, „ich war immer relativ schnell weit oben.“ Beim Lokalaugenschein in seiner Wohnung fanden wir unter anderem Call of Duty, Fortnite und Rocket League.

Huge Gorilla als großes Vorbild

Ein absoluter Turning Point im Leben von Philipp Gutmann war die Zeit nach dem Bundesheer. Weil er viel Zeit für sich selbst hatte, entdeckte er auf Youtube die FIFA Legende Huge Gorilla. Schnell wurde dieser mehr und mehr zum Vorbild. Nach und nach kippte der Grazer stärker in die FIFA-Welt hinein, nur das erste Semester an der TU Graz konnte die Gaming-Begeisterung ein bisschen bremsen. Als im Herbst 2016 FIFA 17 erschien, war Philipp aber endgültig nicht mehr zu stoppen: er rockte die Weekend League, schaffte es mehrmals unter die Top 100 und legte auf Twitch so richtig los. Der Durchbruch kam dann mit FIFA 18: eBundesliga-Sieg, Global Finals in Barcelona, Twitch Partnerschaft und immer mehr Top 100-Platzierungen!

Philipp Gutmann mit FIFA Road to Glory und SK Sturm Graz Flagge

Sturm Graz, wohin das Auge reicht: Philipp Gutmann ist Grazer mit Leib und Seele!

Derzeit noch Profi ohne Spielervertrag

Was viele nicht wissen: Trotz seiner Erfolge und der Außenwahrnehmung als SK Sturm FIFA-Spieler steht Philipp Gutmann bei dem Verein nicht unter Vertrag: „Ich bin den offiziellen Weg gegangen, habe die Online Quali gespielt, sowie das Klubevent und so bin ich dazu gekommen“, schildert er im Interview mit eSports.at. Trotz des großen Erfolges ist Sturm Graz noch nicht offiziell in den eSport eingestiegen. Ein Profi-Vertrag bei seinem absoluten Lieblings-Club ist für Philipp derzeit also noch ein Traum: „Sicher kann ich mir gut vorstellen, mal einen fixen Vertrag bei Sturm Graz zu bekommen! Ich weiß aber auch einfach, was Sturm Graz ausmacht. Und das ist, dass wir aus sehr wenig oft sehr viel heraus holen können!“

FIFA Road to Glory als starke Message

Finanziell geht es Philipp Gutmann auch ohne fixen Spielervertrag gut. Als einer der wenigen Österreicher kann er von seinen Einnahmen als eSportler und Streamer leben. Er selbst bezeichnet sich als „Full-Time-Content-Creator“: „Ich streame auf Twitch im Monat meine 200 Stunden und mache meine Youtube Videos. Ich bin auf allen Social Media Kanälen aktiv und im Ultimate Team mache ich meine Road to Glory. Das heißt: ich stecke absolut kein Geld hinein, um besser zu werden!“

Keine Ad Spends, kein Cent für „Pay to win“!

Auch wenn es mehr als unkonventionell ist: Bezahlte Social Media Posts gibt es bei philsks1909 nicht! Aus Prinzip, wie er erklärt: „Ich will, dass Leute mir folgen, weil sie sich interessieren für mich.“ Noch deutlicher wird er, wenn es um „pay to win“ geht: „Im Ultimate Team gibt es dieses große Problem. Und das ist halt nicht so wie bei Hearthstone, sondern nach einem Jahr ist alles weg. Es gibt schon einige eSportler, die über 10.000 Euro investieren!“

FIFA Road to Glory Star Philipp Gutmann

Philipp vor seinem Streaming Set Up: Von hier aus streamt er seine FIFA Road to Glory

„FIFA ist kein eSport“ – berechtigter Vorwurf?

Doch bloß, weil es alle machen, heißt das noch lange nicht, dass „pay to win“ okay ist! Für Philipp ist die Thematik einfach nur zum Mäuse-Melken: „Ich denke, der Durchschnitts-Pro investiert so an die 1.000 Euro in Ultimate Team. Ich mache das absichtlich nicht! Mein Content ist eben die Road to Glory. Und unter anderem interessieren sich auch deshalb die Leute für mich.“ Angesichts des Bezahl-Wahns versteht der Grazer sogar Vorwürfe, wonach FIFA kein eSport ist: „Teilweise haben die Leute Recht! Es ist schon oft zufalls- und glücksbasiert, aber das ist auch im echten Fußball so. Aber das größte Problem ist einfach pay to win!“

Erfolg auf Twitch durch klare Linie

Mehr als 15.000 Follower auf Twitch geben Philipp Gutmann jedenfalls Recht: qualitativ hochwertiger Content mit einer einheitlichen Linie und einer klaren Message ist unverzichtbar! Die Fans danken es ihm in Form von bezahlten Abos: „Ich habe vor Kurzem meinen Höhepunkt gehabt auf Twitch mit 250 bezahlten Abos. Das ist für mich eine unvorstellbare Zahl! Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass 250 Leute bereit sind, fünf Euro auszugeben für jemanden im Monat! Und die Leute, die mehr haben, hauen dann auch noch Spenden raus!“

Was ist guter Content?

Doch wie kommt auf monatliche Twitch-Einnahmen von mehr als 1.000 Euro? Philipp hält es da ähnlich wie viele andere erfolgreiche eSportler auch: „Nicht mit der Einstellung reingehen, dass man damit Kohle verdienen will! Wir spielen da Spiele. Und Spiele sollen Spaß machen. Mir macht FIFA so viel Spaß und ich würde das auch machen, wenn ich kein Geld damit verdienen würde.“ Dennoch gibt es laut Philipp Gutmann einige Erfolgsfaktoren für guten Content auf Twitch: etwa Offenheit, Authentizität, Interaktion, gute Qualität von Bild und Ton, sowie Mehrwert für die Zuseher. Und: Österreichisch zu klingen, ist keine Schande! Viele Deutsche finden das sogar sympathisch, meint Philipp. Wenn ihr euch mehr ins Streaming-Thema vertiefen wollt, klickt doch auf unsere vierteilige Serie „Stream me up!“

FIFA Road to Glory Streamer philsks1909: Was ist guter Content

Sei du selbst!

Die wohl zentralste aller Aussagen von Philipp Gutmann: „Sei du selbst!“ Mit ein bisschen Glück stellt sich der Erfolg dann von selbst ein. Und: „Du hast keine Hype-Zuschauer, sondern Leute, die wirklich immer wieder kommen!“ Glück gehört eben dazu. Aber, wie heißt es so schön: Das Glück ist mit den Fleißigen!

 

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