Österreichs Fenster in die eSports Welt
Dreamer Ace im Interview mit Bruder Benjamin Schreckeneder

Tobias „Dreamer Ace“ Schreckeneder über seinen Fulltime-Job im eSport

Tobias „Dreame Ace“ Schreckeneder ist einer der bekanntesten League of Legends Profis Österreichs. Er schaffte den Sprung zu den „Unicorns of Love“ und ist Vorbild für viele heimische eSports-Fans. Vor Kurzem gab der 21Jährige einen guten und sicheren 40-Stunden-Job auf, um sich voll und ganz auf seine eSports-Karriere konzentrieren zu können. Im Interview mit eSports.at spricht Dreamer Ace über seine richtungsweisende Entscheidung!

Magisches Zeichen beim Netzwerkdosen beschriften!

eSports.at: Ein neuer Abschnitt in deinem Leben hat begonnen. Du hast den Turn vom „normalen Jobleben“ hin zu einem Vollzeit-eSports-Jobleben geschafft. Erzähl mal, wie das so war für dich!

Dreamer Ace: Es ist ein ganz komisches Gefühl. Ich hab sehr lange überlegt, ob ich es machen soll oder nicht, weil die Entscheidung auf keinen Fall einfach ist. Es gibt viele Dinge die man nicht vergessen sollte, wenn man sich dafür entscheidet. Das „normale Jobleben“ sowie Vollzeit-eSports hat seine Vor- und Nachteile. Mir fiel es wirklich wahnsinnig schwer, mich zu entscheiden. Ich wusste, dass ich beides gleichzeitig nicht mehr machen kann, weil einfach viel mehr verlangt wird, wenn man dann auch besser damit verdient. Mir war seit Ende 2018 klar, dass ich mich entscheiden muss. Mir war klar, dass – egal wie ich mich entscheide – es mein Leben stark beeinflussen wird. Natürlich bekam ich Rat von anderen, was ich tun sollte, jedoch half mir das irgendwie nicht weiter. Die Entscheidung muss man immer selber treffen. Witzige und kitschige Geschichte dazu: Eines Abends hoffte ich einfach nur darauf, eine Art „Zeichen“ oder „Hinweis“ zu bekommen, was ich denn tun soll, weil ich schon ewig über beide Wege nachdenke. Der nächste Tag war ganz komisch, irgendwie lief alles anders als sonst. Mir ist League of Legends dort untergekommen, wo sonst nicht darüber gesprochen wird. Machte auch normal meine Tätigkeiten in der Arbeit und dort musste ich halt Netzwerkdosen beschriften. Ich musste sie beschriften mit D, A, C, E und einer meiner Kollegen wusste halt, wie ich in League of Legends heiße. Anschließend meinte er „D, A, C, E…? haha das heißt ja Dreamer Ace. Dein Name verfolgt dich sogar in die Arbeit.“ Weiß nicht warum, aber als ich um ein Zeichen fragte, kamen immer wieder solche komischen und verrückten Zufälle auf mich zu.  Meine Entscheidung fiel mir somit leichter, aber ich wusste eigentlich immer, dass ich es machen will.

Tobias "Dreamer Ace" Schreckeneder und Benjamin "Straw Hat Ruffy" Schreckeneder 2

Bros 4ever: Tobias „Dreamer Ace“ Schreckeneder mit Benjamin „Straw Hat Ruffy“ (links). Foto: ZVG / Titelbild: Bernhard Gstrein (www.stagetwo.at)

Es fällt mir wahnsinnig schwer!

eSports.at: Ich haben den Eindruck, der Abschied von deinem bisherigen Job fiel schwer, zumindest kam das auf Social Media so rüber. Ist es das berühmte lachende und weinende Auge?

Dreamer Ace: Ja, es fällt mir auch wahnsinnig schwer. Ich liebe meine Tätigkeiten in meinem „normalen Job“ genauso sehr, jedoch ist mein Wille, ein Hobby zum Beruf zu machen noch immer größer. Ich verstehe mich so gut mit meinen Kollegen und ich musste ja Einiges dazulernen in meinem Job, da ich eine andere Ausbildung hatte, was gar nicht so einfach war. Ich bin dort halt auch unter „Computerfreaks“ und fühle mich einfach wohl. Ein Kollege spielt halt selber als Hobby Computerspiele und mit ihm kann man einfach so viel über das Thema eSport reden. Ich müsste sehr stark lügen, wenn ich sagen würde, dass ich ungern in die Arbeit gegangen bin und wer weiß: vielleicht ergibt sich irgendwann die Möglichkeit, wieder dorthin zurück zu kommen.

eSports.at: Wo verbringst du jetzt die meiste Zeit deines Lebens?

Dreamer Ace: Ich werde weiterhin viel Zeit in Österreich verbringen. Natürlich werde ich ab und zu nach Deutschland zu meinem Team ins Gaming House reisen. Es gibt viele Dinge zu erledigen: Bootcamp, Training, Media Day, hoffentlich Offline Events und so weiter. Aber ich wohne weiterhin in Österreich bei meiner Familie.

Wichtig ist, nicht vorm PC zu versinken!

eSports.at: Wie kann man sich das Leben als Profi-eSportler so vorstellen? Wie ist dein Tagesablauf?

Dreamer Ace: Ich werde an meinem Tagesablauf hoffentlich nicht allzu viel ändern. Früh aufstehen und spät schlafen gehen, haha! Natürlich werde ich dann vormittags auch schon zocken und am Nachmittag und Abend ist halt Team-Training. Wir haben auch freie Tage, wo wir machen können, was wir wollen, wie halt in der normalen Arbeit. Wichtig ist, dass wir fit und munter zum Team-Training erscheinen, was normalerweise zwei Mal am Tag ist. Dadurch, dass ich seit meinem Zivildienst 2017 zwei Jobs hatte, blieb nicht mehr viel Freizeit übrig. Ich hoffe, dass ich somit jetzt weniger Stress habe und mich auch komplett auf mein Ziel fokussieren kann. Natürlich möchte ich in meiner Freizeit noch etwas unternehmen und Spaß haben. Wichtig ist, nicht vorm PC zu versinken, sondern auch Sport zu machen, mit Familie und Freunden was unternehmen und so weiter.

Tobias "Dreamer Ace" Schreckeneder mit Bruder Benjamin "Straw Hat Ruffy" Zeit mit Familie

Quality Time: Die Zeit bei seinem Bruder, seiner Familie und den Freunden ist Dreamer Ace enorm wichtig!

Wir haben bis zu sechs Mal die Woche Training.

eSports.at: Welche Rolle spielt das Training? Wie schaut das aus?

Dreamer Ace: Das Training spielt für die meisten Teams eine große Rolle. Es gibt auch Teams, die kein Training machen, jedoch werden diese dann mit der Zeit von der Leistung der anderen überholt. Normalerweise haben wir fünf bis sechs Mal Training in der Woche als Team. Trainingszeiten sind hauptsächlich am Abend, jedoch kann auch der eine oder andere Nachmittag dabei sein. Wichtig ist, nachher über die Fehler zu sprechen und diese Fehler beim nächsten Mal nicht mehr zu machen beziehungsweise zu vermeiden.

Geld wird nie glücklich machen.

eSports.at: Viele Leute fragen uns immer: Wieviel verdient ein Profi-eSportler? Du wirst wahrscheinlich keine Zahlen nennen dürfen, aber nur ungefähr in der Relation…

Dreamer Ace: Eine Zahl darf ich nicht nennen, nein. Aber es gibt schon einen Grund, warum ich mich auch erst jetzt dafür entschieden habe. Gutes Gehalt zu bekommen als eSportler ist überhaupt nicht einfach. Ich könnte alles Mögliche machen und genauso viel oder sogar mehr verdienen als jetzt. Klar können die Gehälter höher werden, jedoch muss man schon wahnsinnig gut sein und so gut wie alles gewinnen, um überdurchschnittlich gut zu verdienen. Was ich nicht verstehe ist, warum so viele immer glauben, man verdient so gut. Klar stehen hier und dort unglaubliche Summen von Gewinn und Gehalt, jedoch muss man dort mal hinkommen, um so etwas zu verdienen, man muss dann ja auch die Leistung bringen. Generell ist es sowas von falsch, zu glauben, dass Geld der Grund ist, warum man eSports macht. Klar kann es sein, dass man irgendwann als eSportler sehr gut verdient, aber das Geld ist für mich nicht wirklich was wert, es wird nie glücklich machen. Mit Geld kannst du dir keine Gesundheit, keine Familie oder Freunde kaufen. Man braucht es halt zum Leben, aber ich mache das keinesfalls, um reich zu werden, ich glaube da gibt es einfachere Möglichkeiten! Ich verdiene halt so viel, dass ich halbwegs davon leben kann. Wenn man nicht davon leben könnte, dann hätte ich mich nicht dafür entschieden.

eSports.at: Merkst du jetzt viel mehr Interesse an deiner Person?

Dreamer Ace: Ich glaube, dass ich als Person in den letzen Monaten oder Jahren ziemlich gewachsen bin. Es sind viele Dinge passiert, unbeschreiblich schöne und gute Dinge, jedoch traf auch gefühlt genauso oft das Gegenteil ein. Ich wusste, dass ich „Vollzeit-eSport“ schon lange machen will und jetzt bin ich dort, wo ich sein will. Es fühlt sich gut an zu sehen, dass man viel erreichen kann, wenn man es stark genug will. Es war auf keinen Fall einfach, hier her zu kommen, wo ich jetzt bin. Es ging nicht immer bergauf, aber trotzdem stehe ich heute hier, weil man alles schaffen kann, wenn man will und den Mut dazu hat.

Fit und gesund zu bleiben, ist wichtig!

eSports.at: Welche Tipps hast für andere gute Gamer? Wie kann man‘s vielleicht auch schaffen in den Profi-Bereich?

Dreamer Ace: Das wichtigste ist einfach viel zu zocken und zu üben. Vor allem bei einem Strategiespiel wie League of Legends ist es wichtig, mit Hirn zu spielen und aus seinen Fehlern zu lernen. Wichtig ist, nicht nur drauf loszuspielen, sondern wirklich etwas zu lernen beim Spielen. Warum etwas passiert oder gemacht wird und so weiter. Hilfreich ist es auch, bei langen Gaming-Stunden immer wieder Pausen zu machen und auch Übungen für die Handgelenke und Finger zu machen, weil man sonst später möglicherweise mit starken Schmerzen rechnen muss. Fit und gesund zu bleiben, ist genauso wichtig, wie viel zu zocken. Man sollte unbedingt darauf achten.

Tobias "Dreamer Ace" Schreckeneder und Benjamin "Straw Hat Ruffy" Schreckeneder 3

Winning Team: Zwei Mal in Folge gewann Tobis ehemaliges Team TKA (vormals MBL) die A1 eSports League Austria in LoL. Support für den Support kam jeweils von eSports-Manager und Bruder Benjamin Schreckeneder.

Weil man alles schaffen kann…

eSports.at: Wenn du noch was hast, das dir wichtig ist – gerne!

Dreamer Ace: Zuletzt wurden wir ja ziemlich hart zerstört in unserem ersten Game in der SINN League gegen ESG. Wir dachten eigentlich, dass wir mehr Chancen haben, aber wir haben noch einen langen Weg und viel Arbeit vor uns. Ich habe mich jetzt für diesen Weg entschieden und das Schönste an meiner Entscheidung ist, dass ich weiß, dass meine Familie immer hinter mir steht, egal was kommt! Möglicherweise ist diese Entscheidung ein großer Fehler, da ich einen guten Job hatte, jedoch würde ich mir später Vorwürfe machen, wenn ich das Risiko nicht eingehen würde. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass ich bis hier her gekommen bin und in einer Weltklassen-Organisation wie Unicorns of Love gelandet bin. Ich bin für jede Unterstützung dankbar und freue mich immer wieder, wenn mein Team oder ich supported werden. Wir werden noch viel härter trainieren und alles geben. Mein Ziel ist noch immer die LEC und solange ich nicht dort bin, gebe ich nicht auf. Falls es nicht klappen sollte, hab ich noch immer einiges dazugelernt und kann mit Stolz behaupten, dass ich alles versucht habe dorthin zu kommen. Ich bin noch immer zuversichtlich, dass Dinge aus einem bestimmten Grund passieren, sonst würde ich nicht jetzt vor meinem PC sitzen und ein Interview für eSports.at schreiben. Ich freue mich auf eine tolle Saison mit meinem Team und DANKE allen für den Support. #UOLWIN

 

Infolinks:

Video-Doku über Dreamer Ace von Bernhard Gstrein

Bericht über den Wechsel zu Unicorns of Lovee (UOL)

Website von UOL

Website von TKA