Österreichs Fenster in die eSports Welt
von Computerspielen lernen Titelbild

Was wir von Computerspielen lernen können!

Thomas Kunze ist der eSports Community spätestens seit dem eSports Roundtable im Virtual Dojo Vienna ein Begriff. Der passionierte Gamer beschäftigt sich von einem wissenschaftlich-intellektuellen Standpunkt aus mit Computerspielen. Sein Credo: Games sind die neue Leitkultur. Und: Es gibt jede Menge, das wir von Computerspielen lernen können!

Spielerisch lernen. Dieses Schlagwort hatte es Thomas Kunze immer schon angetan. Er machte „Learning by Gaming“ zu seinem Steckenpferd und mit der Gründung des Games Institute Austria schließlich auch zu seinem Job. Für Thomas sind Spiele mehr als nur Fun, daher spinnt er sein Argumentationsnetz in alle Richtung, frei nach dem Grundmotto: „Spiele und…“. Eine der wohl interessantesten Facetten seines Approaches ist das Thema „Spiele und Lernen“. Wir haben Thomas daher in die eSports.at Redaktion zu einem spielerischen Lokalaugenschein eingeladen.

Thomas Kunze Games Institute Austria

Thomas Kunze vom Games Institute Austria zu Gast bei eSports.at

Breakout! Team-Building einmal anders

Alles begann bei unserem Treffen mit dem Breakout-Koffer. Das Setting ist ein analoges: Vor uns lag ein stabiler und handlicher Koffer, versperrt mit mehreren Schlössern. Die Challenge dabei: Teams müssen in den Koffer „einbrechen“. Die Hinweise zu den richtigen Zahlenkombinationen der Schlösser liegen im jeweiligen Raum versteckt. Ähnlich wie bei „Escape the Room“-Spielen dreht sich alles um’s Probleme lösen, erklärt Thomas Kunze: „Es ist wichtig, dass du kreativ mit den Problemen, die du vor dir hast, umgehen kannst! Es geht darum, zu einem Problem eine Lösung zu erdenken.“

Zielgruppe für den Breakout-Koffer sind vor allem Teams in Unternehmen. Über den spielerischen Zugang finden sie quasi zu sich selbst, erkennen ihre Stärken und Schwächen. Und das ist laut Thomas gar nicht immer so einfach, wie es klingen mag: „Da gibt es Teams, die das gut können und welche, die das weniger gut können. Wenn du das filmst und danach analysierst, ist das ganz spannend!“ Profitieren kann im Endeffekt nicht nur das spielende Team selbst, sondern auch der Chef. Denn welcher Vorgesetzte hat nicht gerne ein funktionierendes Mitarbeitergefüge?

Breakout Koffer

Analoges Vergnügen: der Breakout Koffer!

Reden, bis die Bombe hochgeht!

Witzig und zugleich sinnvoll ist das Multiplayerspiel „Keep talking and nobody explodes“. Die Story ist schnell erklärt: „Das ist ein asymmetrisches Multiplayerspiel. Der eine muss die Bombe entschärfen und die anderen haben das Handbuch und müssen die Lösung finden. Der Spieler an der Bombe muss das Problem kommunizieren und die anderen müssen die Lösung kommunizieren. Wobei das alles verklausuliert ist wie ein Rätsel“, schildert Thomas Kunze. Der Hauptaspekt, den wir hier von Computerspielen lernen können, ist eindeutig die Kommunikation. Also: Miteinander reden, damit die Bombe im wahrsten Sinne des Wortes gar nicht erst hochgeht!

Von Computerspielen lernen in Schule und Beruf

Das Credo vom lebenslangen Lernen verfolgt die meisten von uns seit der Schulzeit. Wenn schon lebenslanges Lernen, dann soll es bitteschön aber auch Spaß machen. Genau das ist der Ansatz des Games Insitute: „Wir wollen Spiele für den beruflichen Fortbildungskontext nutzen. Wir schauen uns an, was die Leute spielen und anhand dessen können wir ein Skill-Set erstellen. Dann merkt man schnell, wofür eine Person sehr gut geeignet ist“, sagt Institutsgründer Thomas.

Bereits in der Schule würde Thomas gerne mehr spielbasiertes Lernen sehen: „Du kannst Sprachen lernen oder trainieren mit Spielen wie zum Beispiel ‚Scrabble‘ oder ‚Wer wird Millionär‘. Damit kannst du Lerninhalte viel motivierender gestalten.“ Deshalb arbeitet sein Institut Lernmaterialien für beliebte Spiele aus. Lehrer können diese dann im Unterricht verwenden. Einziges Problem bei der Sache: Bei den Pädagogen ist der Trend hin zum spielerischen Lernen oftmals noch nicht so angekommen. Länder wie die USA oder skandinavische Staaten sind da schon um Einiges weiter.

League of Legends

Vieles kann man von Computerspielen lernen – eSports Titel wie League of Legends sind aber für Workshop-Settings zu kompliziert und anspruchsvoll.

eSports Titel zu kompliziert

Wer sich nun fragt, wieso Thomas Kunze bisher keinen eSports Titel angesprochen hat, bekommt eine recht simple Antwort: eSports Games sind schlichtweg zu anspruchsvoll, um sie schnell mal in einem Workshop anzuspielen. „Das Problem ist, dass man die Gaming Literacy braucht. Also du musst es bedienen können“, meint Thomas Kunze, „um halbwegs sinnvoll zum Beispiel League of Legends spielen zu können, brauchst du viele Stunden! Also die Hürde für Neueinsteiger ist zu hoch.“ Damit seine Klienten sinnvoll von Computerspielen lernen können, verwendet Thomas deshalb Mechaniken und Spiele, die eher einfach zu begreifen sind.

„Computerspiele im Lebenslauf angeben!“

Spannend ist übrigens ein Blick in den Lebenslauf von Thomas Kunze! Er führt dort seit Jahren seine persönliche Gaming History an. Der Hintergedanke dabei: „Wenn ich sehe: Jemand spielt League of Legends, dann merke ich schnell, was der gut kann und wo der beruflich gut einsetzbar wäre“, sagt Thomas, „deshalb schreibe ich hinein, wie lange ich spiele und was ich spiele. Das gehört zur Kernkompetenz!“ Um ein konkretes Beispiel aus seinem Leben zu nennen: „Da steht dann zum Beispiel ‚Ich habe 100 Stunden Civilization gespielt und deshalb bin ich relativ gut im Recherchieren.‘“

Der CEO von T-Mobile USA, John Legere, gibt diesem Approach voll und ganz Recht. Auf die Frage, welche Skills man bei ihm für eine Führungsposition mitbringen müsse, sagte er in einem Interview prompt: „World of Warcraft, Level 90!“